Mohn#

Mohnblüte. Foto: Alfred Wolf
Mohnblüte. Foto: Alfred Wolf

Feldmohn (Papaver rhoeas) zählt zu den einheimischen Heilpflanzen, ihre Blütenblätter werden als Hustentee verwendet.

Schlafmohn (Papaver somniferum) ist eine alte Kulturpflanze, aus deren unreifen Samenkapseln im Orient Opium gewonnen wird. Der reife Samen wird bei Gebäck und zur Verbesserung von Speisen verwendet. In der bäuerlichen Küche bereitete man daraus Festspeisen wie Mohnstrudel zu Weihnachten oder Hochzeiten. Wer zu Neujahr Mohnkuchen isst, sollte das ganze Jahr Geld haben. Vermutlich trugen die Klöster zur Kultivierung der (Heil-)pflanze bei. Bei feldmäßigem Anbau konnte man Mohnöl gewinnen, das u.a. bei kirchlichen Lichterbräuchen Verwendung fand. Die Bauern hatten der geistlichen Grundherrschaft Mohn als Naturalabgabe zu entrichten. Daher kommen Familiennamen wie Moher, Mohaupt oder Magenschab. Sie bezeichneten im 14. und 15. Jahrhundert die Mohn zinsenden Bauern. 

Die Aussaat geschah am Tag der zuständigen Heiligen, Gertrud von Nivelles (17. März), die als Patronin der Garten- und Feldfrüchte gilt, oder am Karfreitag. Zur Aufbewahrung und Verarbeitung gab es schon früh eigene Gefäße und Geräte. Der Samen wurde seit dem Spätmittelalter in hölzernen Mörsern (Mohnmesel) gestampft. Diese sind aus einem bis 50 cm hohen ausgehöhlten Stück Hartholz, oft mit einem Eisenreifen verstärkt. Mohnmühlen sind eine viel spätere, von den Städten ausgehende Entwicklung. 

Heute ist "Waldviertler Graumohn" eine EU-geschützte Qualitätsbezeichnung. Armschlag (Niederösterreich) nennt sich Mohndorf und bietet rund um den Mohn je nach Jahreszeit kulinarische und informative Veranstaltungen.


Quelle: Leopold Schmidt: Volkskunde von Niederösterreich. Horn 1966. I/208 f.