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05 Mai - Monatskalender - ABC zur Volkskunde Österreichs - Alltagskultur

Brauchtum - warum ? 05#

Helga Maria Wolf

Der "Wonnemonat" Mai verdankt seinen Beinamen der Viehwirtschaft. Die Monatsliste Karls des Großen (742-814) nennt ihn Weidemonat (winnimanod, vom Althochdeutschen "winne" - Weideplatz). Dessen ungeachtet ist der Mai "der" Hochzeitsmonat geblieben. Bekannte Bräuche ranken sich um den Maitag, am Monatsersten. Außerdem gibt es eine Reihe beweglicher Feste als "Maifeiertage". Kirchlich gilt der Mai als Marienmonat, den viele Katholiken mit Wallfahrten und Maiandachten begehen.

1. Mai #

Europamaibaum

Der Monat beginnt mit dem Aufstellen, Schmücken (und oft Stehlen) des Maibaums. Die heute bekannte Form der Feste und die flächendeckende Verbreitung ist eine Sache des 19. und 20. Jahrhunderts. Die ältesten Belege stammen aus dem 13. Jahrhundert. So erfährt man 1230 von einem Maibaum am Babenbergerhof in Wien. Das Aufstellen und Schmücken war ebenso wie das anschließende Fest eine Pflicht der weltlichen Obrigkeit. In der Barockzeit stellte man in niederösterreichischen Städten Maibäume auf. Neuer Beliebtheit erfreut sich im Weinviertel (Niederösterreich) der Maistrich. Als Rügebrauch ziehen die Burschen Kalkspuren zwischen den Häusern unverheirateter junger Paare. In Wien beginnen die Festwochen mit einem großen Event auf dem Rathausplatz.

Der dienstfreie Tag der Arbeit wird seit 1890 begangen. 1919 erhob die österreichische Nationalversammlung den früheren Streiktag zum allgemeinen Ruhe- und Festtag. 1955 führte Pius XII. als Antibrauch das Fest "Josef der Arbeiter" ein.

Zweiter Maisonntag - Muttertag#

Muttertag

Erfunden wurde er (1906 oder 1907) von der Amerikanerin Anna Jarvis (1864-1948) zum Gedenken an ihre Mutter. Da es sich um die Familie eines Methodisten-Predigers handelte, fand der Brauch über die Kirchengemeinden bald allgemeine Verbreitung. Schon 1909 feierten 45 Unionsstaaten den Muttertag, 1912 erhoben ihn die Methodisten zum kirchlichen, 1914 der amerikanische Kongress zum Staatsfeiertag. 1917 kam der Muttertag über die Heilsarmee in die Schweiz. In Österreich engagierte sich Marianne Hainisch (1839-1936) für die Einführung des Muttertags, der hier seit 1924 gefeiert wird. Hainisch war die Gründerin der Österreichischen bürgerlichen Frauenbewegung, Friedensaktivistin und Mutter des ersten Bundespräsidenten der Republik Österreich.

Pfingsten#

Pfingsten

Am 50. Tag nach Ostern (zwischen 10. Mai und 13. Juni) wird das Pfingstfest begangen. Die Osterzeit findet ihre Vollendung in der Geistsendung, von der die Apostelgeschichte (2, 1-13) berichtet: "Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen ... und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer ... Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt." Pfingsten entwickelte sich zum Termin der Firmung in den Bischofskirchen. In Wien fand die Sakramentenspendung im Stephansdom statt. Für viele Kinder aus dem Umland war das die erste Möglichkeit, in die Hauptstadt zu kommen. Für weltliche, ländliche Bräuche ist der Doppelfeiertag Anlass zu Frühlingsfesten, Wettspielen, Umzügen und Heischegängen. In ganz Europa weit verbreitet, jetzt in zwei Gemeinden Niederösterreichs gepflegt, ist der Umzug mit dem Pfingstkönig.

Sonntag nach Pfingsten - Dreifaltigkeitssonntag#

Der Dreifaltigkeitssonntag kam um die erste Jahrtausendwende in den Benediktinerklöstern in Frankreich auf. Papst Johannes XXII. (1245-1334) führte das älteste Ideenfest 1334 für die ganze katholische Kirche ein.

Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag - Fronleichnam#

Fronleichnamsaltar

Das "Hochfest des Leibes und Blutes Christi" wird seit dem 13. Jahrhundert mit prächtigen Schaubräuchen begangen: Zur Verehrung der Eucharistie trägt der Priester die Monstranz mit der Hostie unter einem Baldachin durch die Straßen. Weiß gekleidete Mädchen, die Blumen streuen, Uniformierte und die Gläubigen folgen dem "Himmel". Kreuzträger und Ministranten begleiten die Prozession, an deren Weg die Häuser mit frischem Grün und Heiligenfiguren geschmückt sind. An vier Stellen hält die Prozession, es werden die Evangelienanfänge gelesen, manchmal Salut geschossen. Das Fronleichnamsfest geht auf Visionen der Augustinernonne Juliane von Lüttich zurück. 1209 schaute sie den Vollmond mit einem dunklen Fleck, den sie als Fehlen eines besonderen Festes zu Ehren der Eucharistie deutete. 1264 schrieb es Papst Urban IV., der ebenfalls aus Lüttich kam, für die ganze Kirche vor. Der Kirchenlehrer Thomas von Aquin (1225-1274) verfasste die Mess- und Gebetstexte für das neue Fest. Sein Dominikanerorden förderte die Verbreitung. IDer Reformator Martin Luther sprach sich vehement gegen das Fest aus. Im konfessionellen Zeitalter begingen die Katholiken Fronleichnam in propagandistischer Weise.

Dritter Freitag nach Pfingsten - Herz Jesu#

Das Herz-Jesu-Fest wurde auf Betreiben des Oratorianerpaters Johannes Eudes (1601-1680) 1672 in Frankreich eingeführt. Auch die Salesianerin Margareta Maria Alacoque (1647-1690) und der Jesuitenorden engagierten sich dafür. 1856 führte Pius IX. dieses Ideenfest für die ganze Kirche ein. Im 19. Jahrhundert breitete sich die Verehrung des Herzens Jesu zur Abwehr politisch-kirchenfeindlicher Angriffe aus. Die Tiroler brennen zum Herz-Jesu-Fest Bergfeuer ab.

Dritter Samstag nach Pfingsten - Herz Mariae#

Im Zusammenhang mit der Herz-Jesu-Verehrung pflegte Johannes Eudes (1601-1680) die Herz-Marien-Verehrung. 1646 führte er das Herz-Mariä-Fest in seiner Gemeinschaft ein. Im 19. Jahrhundert vom Papst anerkannt, gewann das Fest nach den Erscheinungen von Fatima (1917) an Bedeutung. 1944 erklärte es der Papst als für die ganze Kirche verbindlich, allerdings am 22. August, dem Oktavtag von Mariä Himmelfahrt. Im neuen römischen Kalender ist es ein bewegliches Fest als nicht gebotener Gedenktag.

Bekannte Heiligenfeste im Mai#

Florian

4. Mai: Florian. Der hl. Florian (+ 304) ist der einzige namentlich bekannte und historisch fassbare österreichische Märtyrer aus frühchristlicher Zeit. Als Begräbnisstätte wird der Platz des Augustiner-Chorherren-Stifts St. Florian angenommen, das über die Jahrhunderte hinweg seine Verehrung pflegt. Zahlreich sind seine Patronate, u.a. gegen Feuer- und Wassergefahr, als Schutzherr der Rauchfangkehrer und Feuerwehrleute.

12. bis 14. Mai: Pankratius (+ um 304) und die legendären Servatius (+ 384 ?) und Bonifatius von Tarsus (+ um 306) werden Eisheilige genannt. Die "Eismänner" dienen als Wetterlostag der Gärtner. Man soll vorher keine Pflanzen einsetzen, da es noch Frühjahrsfröste geben kann.

16. Mai: Johannes Nepomuk. Die Statuen des Priesters mit Kruzifix und Sternenkranz stehen "an jedem Steg, auf jeder Bruck' " und prägen Österreichs sakrale Kulturlandschaft. Die Verehrung des Märtyrerpriesters Johannes Welflin (um 1350 - 1393) wurde zur Zeit der Gegenreformation von Adel, Jesuiten und Franziskanern massiv gefördert. In der Barockzeit waren Andachten und Prozessionen bei seinen Figuren und Kapellen Brauch. Es gab eigene Lieder und Schauspiele sowie „Johanneszungen“ als Amulette. Das bekannte Lichterschwemmen fand nun auch zu seinem Termin statt.

22. Mai: Rita von Cascia . Margherita Lotti (um 1370-1447) war Augustinernonne. Am Fest der Helferin in aussichtslosen Anliegen werden in den Augustinerkirchen Ritarosen als Sakramentale geweiht.

Urbanus

25. Mai: Urban. Urban(us) stammte aus Rom. Als 17. Papst (Urbanus I.) regierte er von 222 bis 230, zur Zeit des Gegenpapstes Hippolytos. Der Tag des Weinpatrons fällt in die Zeit der Rebenblüte. Man trug eine Statue in Prozession durch die Weingärten und begoss diese bei gutem Wetter mit Wein, bei schlechtem mit Wasser. Waren die Winzer mit der letzten Ernte zufrieden, tranken sie der Figur im Gasthaus zu. Es gab Urbaniminne und Urbanibrote.