Montag#

Schutzengel
Der Tag des Mondes entspricht dem römischen Dies lunae. Die Römer sahen die Tage nach Festtagen als Unglückstage an. In den populären Vorstellungen trifft dies auch auf den Montag, den unbeliebten ersten Arbeitstag der Woche zu. Montag war kein Hochzeitstag (weil man sonst am heiligen Sonntag die Vorarbeiten hätte leisten müssen). Man solle nichts beginnen, denn es werde keine Dauer haben (analog zum wechselnden Mond). Am besten sei es, gar nicht zu arbeiten, hieß es.  Handwerker hielten den "blauen Montag" als verlängerten Sonntag. Bei dieser Bezeichnung spielen wohl die Nebenbedeutungen der Farbe Blau mit (z.B. bläuen bei Raufereien, oder "blau" - betrunken sein). Eine Handschrift aus St. Florian, Oberösterreich, wollte im 14./15. Jahrhundert wissen, dass die Armen Seelen am Sonntag nicht im Fegefeuer sein brauchen. Sie verlassen es am Vorabend (Samstag Nacht) und kehren zurück, ehe am Montag die Sonne aufgeht. In der Steiermark war der Montag den Armen Seelen und dem Heiligen Geist geweiht. In Tirol galt der Montag als heiliger Tag, an dem das Vieh gutes Heu mit geweihtem Brot erhielt. Tagespatrone waren die Schutzengel.

Im Jahreslauf spielt der Faschingmontag eine gewisse Rolle. Zu Ostern und zu Pfingsten ist der Montag als Rest der ehemaligen Oktav (Festwoche) ein zweiter Feiertag. In Oberösterreich feiert man nach Michaeli (29. September) seit einem Jahrhundert den Lichtbratlmontag. Das Lichtbratl war ein besonderes Essen (oft Truthahn), zu dem der Meister die Gesellen einlud, weil sie nun wieder bei Kunstlicht arbeiten mussten. Besonders in Bad Ischl wird der Tag in vielen Firmen begangen, die dann nachmittags geschlossen bleiben. Außerdem lädt ein Komitee die 50-, 60- 70-, 80- und 90-jährigen Bürger zum Jahrgangstreffen ein. Nach dem Fototermin im Kurpark gehen die Jubilare in einem Festzug durch die Stadt. Die Älteren fahren in Pferdekutschen. Passanten beschenken die Geburtstagskinder mit Blumensträußen.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 570
Andrea Euler-Rolle: Zwischen Aperschnalzen und Zwetschkenkrampus. Linz 1993. S.85
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1935/1987. Bd. 6 / Sp. 554 f.

Bild: Schutzengel - Tagespatron für Montag. Kleines Andachtsbild, 19. Jahrhundert. Gemeinfrei