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Nachhochzeit#

Für den der Trauung folgenden Tag hatten die jungen Oberösterreicher einen Brauch vorbereitet. Sie gingen vom Haus des Ehepaares, das als vorletztes geheiratet hatte, zu den Neuvermählten. Der Zug bestand aus zwei Trommlern, einigen jungen Männern mit Spritzbüchsen, als Frauen verkleideten Burschen mit Buckelkörben, einem Hauptmann mit Schwert hoch zu Ross und einem aus Weizen- und Lebkuchenteig geformten "Kind". Zwei Männer, die zuletzt Väter geworden waren, trugen die Wiege. Beim Haus der Jungverheirateten angekommen, befahl der Hauptmann, dieses aus den Büchsen oder mit Schneebällen zu beschießen. Die Bewohner wehrten sich mit Wassergüssen, was ihnen aber nichts nützte. Es kamen auch noch die Träger der Buckelkörbe und bewarfen mit den darin befindlichen Scherben die Haustür. Schließlich half die Habergeiß mit wilden Sprüngen, das Haus zu erobern. Nun wurde das Kind in der Wiege, der "König", in die Stube getragen. Bewirtung, Gesang und Tanz bildeten den traditionellen Ausklang.


Quelle:
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild (Kronprinzenwerk), Band VI, Oberösterreich und Salzburg. Wien 1889. S. 134 f.