Nikolo#

Nikolo-Auslage, Foto: Doris Wolf, 2000

Seit dem 14. Jahrhundert feierten die Klosterschüler am Fest des hl. Nikolaus (6. Dezember) das Knabenbischofsfest mit der „verkehrten Welt“, bei dem einmal im Jahr die Kinder an die Macht kamen. Nikolaus war auch der unsichtbare Gabenbringer, der die Kinder mit kleinen Geschenken bedachte. Dazu stellten sie ihre geputzten Stiefel auf oder bastelten kleine Schiffe, die sie am Morgen mit Äpfeln, Nüssen und Süßigkeiten gefüllt vorzufinden hofften. Aus dem Kloster Tegernsee ist ein Kindergebet aus dem 15. Jahrhundert überliefert: „Heiliger St. Nikolas, in meiner Not mich nit verlaß, / kombt heint zu mir und leg mir ein in mein kleines Schiffelein / darbay ich Ewer gedenkhen kann, das jr seit ein frommer Mann.“ 

Die Ablöse des unerkannt bleibenden Gabenbringers durch den Einkehrbrauch wird mit dem Konzil zu Trient (1545-63) in Verbindung gebracht. Dieses sollte, nachdem Martin Luther (1483-1546) in den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts seine reformatorischen Schriften verfasst und diese große Wirkung gezeigt hatten, die Lehre von Schrift und Tradition, Erbsünde und Rechtfertigung, Messopfer, Sakramenten und Heiligenverehrung wieder ins rechte - katholische - Licht rücken. Die Bischöfe mussten ihre Gemeinden visitieren, ebenso visitiert der verkleidete Bischof Nikolaus in der Folge die Familien. Alle guten Taten und das Sündenregister sind im „goldenen Buch“ verzeichnet, mit dem er die Kinder kontrolliert.

Der pädagogisierende Aspekt zeigte sich auch in Umzügen und Stubenspielen, die unter den Begriff "Volksschauspiel" fallen. Leopold Schmidt hat darauf hingewiesen, dass die Polemik des 17. Jahrhunderts dagegen "von denselben Kreisen ausgeht, die das ganze Adventspielwesen ursprünglich formen geholfen hatten, und aus deren Mitte auch noch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gedruckte Adventspiele hervorgingen." Nikolaus und eine Reihe rauher Gesellen, wie Krampusse oder Knecht Ruprecht und andere Rollenspieler nahmen daran teil, erschreck(t)en Kinder und junge Mägde. In Mitterndorf (Steiermark) wird in Gaststätten die Tradion des Nikolospiels gepflegt. Durch die Gassen und über den Dorfplatz ziehen Scharen von als Krampus verkleideten Buben und Burschen. Wer sich auf die Straße wagt, den attackieren sie mit ihren Ruten. Verschont bleibt, wer sich nur auf dem Gehsteig aufhält.

In Wien gibt es in den letzten Jahren Diskussionen, ob der Nikolausdarsteller in Kindergärten auftreten soll. Entgegen der ursprünglichen Intention des Lobens und Beschenkens fürchten manche Erzieher, dass die Gestalt den Kindern Angst mache. Die Begleitung des Krampus sei kaum noch gefragt, nur bei 3 von 50 Besuchen, erzählte ein Profi-Nikolo in einem Zeitungsinterview. Nach wie vor beliebt sind Schokoladenikoläuse. Ein burgenländischer Hersteller verzeichnet dadurch alljährlich ein Umsatzplus von 40 %, beim Konzern Kraft Foods (Milka) machen Nikolauswaren 7 % des Gesamtumsatzes aus.

Seit 20 Jahren bietet die Katholische Jungschar Nikolaus-Schulungen an. Dort wird gelehrt, wie eine „zeitgemäße“ Nikolaus-Darstellung aussehen könnte. Alles, was Kindern Angst mache sei wegzulassen - auch der traditionelle Rauschebart, wenn nötig. Dies hatte 2014 zu Diskussionen geführt, wenn Frauen (ohne falschen Bart) in die Rolle schlüpfen. Besonders eindringlich rät die Organisation davon ab den Hl. Nikolaus als Erziehungshilfe zu „missbrauchen“. Man solle zum Wohl der Kinder vom öffentlichen Aufzählen von „Sünden“ und von der Bedrohung durch den Krampus Abstand nehmen. Die Katholische Jungschar verweist darauf, dass der Heilige Nikolaus kein Sündenregister, sondern eine goldene Bibel in Händen hält.

Bei der im Frühjahr 2016 durchgeführten IMAS-Umfrage "Traditionen und Bräuche" (Archiv Nr. 016041) gaben 80 % an, Krampus- und Nikolaustag zu kennen und 48 %, selbst zu feiern.

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Fotos: Doris Wolf, 2013


Quellen:
Alois Döring: Rheinische Bräuche durch das Jahr. Köln 2006. S. 382 f.
Dietz-Rüdiger Moser: Bräuche und Feste im christlichen Jahreslauf. Graz 1993. S. 41 f.
Leopold Schmidt: Das deutsche Volksschauspiel. Berlin 1954. S. 36 f.
Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur & Geschichte. Wien 2005. S. 37
Mitterndorf
"Heute", 1.12.2010 und 6.12.2010
2014
Umfrage 2015 Publiziert 3.12.2015