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Opernball#

Opern-Redoute

1869 wurde die k.k. Hofoper nach sechsjähriger Bauzeit eröffnet. 1877 fand die erste Soiree im Opernhaus statt. Die Bezeichnung "Wiener Opernball" existiert seit 1935. Es war die Idee des legendären Tanzlehrers Willy Elmayer, die verschiedenen Ebenen der Bühne und des Zuschauerraumes in einen 50m langen Ballsaal zu verwandeln. Nach kriegsbedingter Unterbrechung geht der Opernball seit 1956 wieder am Donnerstag der letzten Faschingswoche über die Bühne. Für den Umbau der Staatsoper werden alljährlich 30 Stunden und 500 Mitarbeiter veranschlagt. Der Eintrittspreis lag im Jahr 2014 bei 250 €, die Kosten für eine Loge bei 10.200 bis 18.500 €. 1,6 Millionen Zuschauer verfolgen das Ereignis im Fernsehen, wofür 19 ORF-Kameras im Einsatz sind. Der "Ball der Bälle" gilt als Staatsakt und ist von Ritualen geprägt: Frackzwang für die Herren, großes, langes Abendkleid für die Damen, Eröffnungszeremonie mit Fanfare, feierlicher Einzug, musikalische Darbietungen und das Kommando "Alles Walzer!" (Johann Strauß) zählen dazu. Die Damen der 144 Debütantenpaare tragen weiße Roben und Krönchen aus glitzernden Glassteinen. Für die "Jungdamen" ist der Opernball der noble Initiationsritus in die Gesellschaft. Mit den "Jungherren" des Komitees eröffnen sie den Ball mit einer Polonaise.

Zum 58. Opernball 2014 wurden 5150 Gäste erwartet. Die Staatsoper machte einen Gewinn von 1,1 Mio. Euro. Die Firma Gerstner bereitete vor: 2120 Gläser Champagner, 1400 Gläser Sekt, 1500 Seidel Bier, 2300 Flaschen Mineralwasser, 1000 Paar Würstel, 250 Austern, 900 Sandwiches und 760 Stück Konfekt, berichtete die Gratiszeitung "Heute".Sie brachte auch einen Ausschnitt aus der Opernball-Speisenkarte: 1 Glas Cocktail: 14 €, 1 Glas Sekt: ab 11 €, 1 Glas Champagner: ab 32 €, 1 Flasche Sekt: ab 160 €, 1 Flasche Champagner: ab 305 €, 1 Glas Rotwein: 8,50 €, 1 Seidel Bier: 8,50 €, 1 Paar Würstel mit Gebäck: 10 €, 3 Austern: 18 €, 1 Sandwich: ab 4,50 €, 1 Opernballteller: 44 €, 1 Kugel Eis: 4 €. Beim Opernball beschäftigte die Gastronomie rund 280 Personen, für die Sicherheit sorgten 250 Mitarbeiter, 120 Musiker spielten. Geschmückt wurde die Oper mit 50.000 Blumen, großteils Nelken, 165 Blumenarrangements waren für die Logen vorgesehen, 480 Blumengestecke für die Tische, 160 Sträußchen für die Debütantinnen. Mehr als 150 ORF-Mitarbeiter waren im Dienst, 1,421 Millionen Fernsehzuschauer wurden gezählt.

Dank seines Rituals gilt der Opernball als "Exportschlager". Seit den 1970er- Jahren gibt es weltweit in mehr als 30 Metropolen - u.a. in Rom, Moskau, New York, Hongkong, Barcelona, Prag, Berlin - Wien-Bälle als imageträchtige Werbeveranstaltungen und gesellschaftliche Ereignisse. Der Opernball ist ein typischer Brauch der Großstadt. Wo ein Brauch ist, ist oft ein Antibrauch nicht weit, beim Opernball war es die "Opernballdemo" (erstmals 1968). 2014 waren keine Demonstrationen angemeldet, doch gab es Sperren der Ringstraße zwischen Schwarzenbergplatz und Operngasse und der Kärntnerstraße zwischen Karlsplatz und Opernring sowie Einschränkungen bei Straßenbahnen und Bussen.


Quellen: 
Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 92
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 45f.
"Heute", 19.2.2014
Opernball 2014

Bild: Opern-Redoute. Aus: Wienerstadt. Wien 1895.