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Opernball#

Opern-Redoute

1869 wurde die k.k. Hofoper nach sechsjähriger Bauzeit eröffnet. 1877 fand die erste Soiree im Opernhaus statt. Die Bezeichnung "Wiener Opernball" existiert seit 1935. Es war die Idee des legendären Tanzlehrers Willy Elmayer, die verschiedenen Ebenen der Bühne und des Zuschauerraumes in einen 50m langen Ballsaal zu verwandeln. Nach kriegsbedingter Unterbrechung geht der Opernball seit 1956 wieder am Donnerstag der letzten Faschingswoche über die Bühne. Der "Ball der Bälle" gilt als Staatsakt und ist von Ritualen geprägt: Frackzwang für die Herren, großes, langes Abendkleid für die Damen, Eröffnungszeremonie mit Fanfare, feierlicher Einzug, musikalische Darbietungen und das Kommando "Alles Walzer!" zählen dazu. Die Debütantinnen tragen weiße Roben und Krönchen aus glitzernden Glassteinen. Für die "Jungdamen" ist der Opernball der noble Initiationsritus in die Gesellschaft. Mit den "Jungherren" des Komitees eröffnen sie den Ball mit einer Polonaise.

2017 findet der 61. Wiener Opernball statt. Der Umbau der Staatsoper dauert 30 Stunden (der Rückbau 21 Stunden) und verursacht Kosten von 1,4 Mio. €. 350 Fach- und 150 Hilfskräfte sind damit beschäftigt. Der Blumenschmuck umfasst 171 Arrangements und 480 Tischgestecke Am Ballabend bevölkern 7.230 Personen die Oper, davon 5.150 Ballgäste, 144 Debütantenpaare, 250 Sicherheitsleute und 150 Musiker. Eine Eintrittskarte kostet 290 €,ein Tisch 400 bis 1.200 € und eine Loge 10.000 bis 20.500 €. Angeboten werden 1.300 Flaschen Sekt und Champagner, 1300 Flaschen Sekt und Champagner (ab 164 €), je 900 Flaschen Wein und Bier, 2500 Paar Würstel (10,50 €), 1000 Petits fours und Sandwiches sowie 1300 Gulaschsuppen(10,50 €).

Dank seines Rituals gilt der Opernball als "Exportschlager". Seit den 1970er- Jahren gibt es weltweit in mehr als 30 Metropolen - u.a. in Rom, Moskau, New York, Hongkong, Barcelona, Prag, Berlin - Wien-Bälle als imageträchtige Werbeveranstaltungen und gesellschaftliche Ereignisse. Der Opernball ist ein typischer Brauch der Großstadt. Wo ein Brauch ist, ist oft ein Antibrauch nicht weit, beim Opernball war es die "Opernballdemo" (erstmals 1968). Nach etlichen Jahren Unterbrechung fand 2008 wieder eine größere Demonstration statt. 2017 meldete die Kommunistische Jugend Österreichs eine Kundgebung mit 500 Personen an. Als Alternativveranstaltung etablierte sich 1991 der "Rosenball", damals im legendären U4. Nach Definition der Veranstalter sollte er „zu einem Manifest uneingeschränkter Lebensfreude, das so ziemlich mit allen Konventionen bricht, die heute noch irgendwie vorstellbar sind“ werden. 2014 war die Veranstaltung im Palais Auersperg in Rekordzeit ausverkauft. 2015 und 2016 fand sie im Kursalon im Stadtpark statt. 2017 wurde der Rosenball wegen Erkrankung der Organisatorin Miss Candy alias Holger Thor abgesagt.


Quellen: 
Helga Maria Wolf: Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 92
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 45f.
2017
Rosenball
"Österreich" 21.2.2017
"Heute" 21.2.2017

Bild: Opern-Redoute. Aus: Wienerstadt. Wien 1895.