unbekannter Gast

Osternacht#

Osternachtfeier 2012 in der Pfarre St. Paul, Wien 19. Foto: Doris Wolf
Osternachtfeier 2012 in der Pfarre St. Paul, Wien 19. Foto: Doris Wolf

In der Osternachtfeier wandelt sich die Trauer zur Freude. Die Christen gedenken der Auferstehung mit Halleluja, Orgelspiel und Glockenklang. Die Osternachtfeier ist die ritenreichste in der katholischen Kirche. Die Neuordnung der Liturgie der Karwoche erfolgte schon vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1955/56), da sich im Lauf der Jahrhunderte der Zeitpunkt (Nacht von Samstag auf Sonntag) immer mehr auf den Morgen des Karsamstags verschoben hatte. Die einzelnen Elemente sind historisch und geographisch verschiedener Herkunft. Es handelt sich um die Lichtfeier (mit der Segnung des Feuers, der Bereitung und dem Einzug der Osterkerze und dem Lobpreis des Lichtes, Exsultet), den Wortgottesdienst (mit neun Lesungen, Psalmen und Gebeten), die Tauffeier (mit Wasserweihe und Taufbekenntnis) und die Eucharistiefeier. Auch der evangelische Gottesdienst sieht den Einzug mit der Osterkerze, Wechselrufe und die Austeilung des Lichtes vor. Sie ist aber nicht an bestimmte Riten gebunden. 

Die Osternachtfeier enthält elementare Symbole. Das Hereintragen und Begrüßen des Lichtes bei abendlichen Zusammenkünften war in der Antike bei Juden ebenso üblich wie bei Christen. Das Feuer der Osterkerze steht für Christus, das Licht. Die Segnung des Feuers und die Bereitung der Kerze kam erst im 12. Jahrhundert auf. Die Gemeinde versammelt sich um ein Holzfeuer vor der Kirche. Der Priester segnet es und bereitet die große Osterkerze, die mit einem Kreuz, der Jahreszahl, Alpha und Omega, manchmal auch fünf Weihrauchkörnern versehen ist. Beim Einzug in die dunkle Kirche macht der Diakon mit der Osterkerze dreimal Halt und ruft: "Christus, das Licht" (Lumen Christi), die Gläubigen antworten: "Dank sei Gott" (Deo gratias). Sie zünden ihre Kerzen an der Osterkerze an. In niederösterreichischen Orten war es Brauch, ein mitgebrachtes Scheit in das Osterfeuer zu halten und glühend für den Herd nach Hause zu bringen, wovon man sich Segen versprach. Für die Jugendlichen, deren Aufgabe es war, die "Weihprügel" zu besorgen, gab es zu scherzhaften Auseinandersetzungen Anlass, wenn jeder die anderen am Anzünden hindern wollte. Außer dem kirchlichen brannten auch profane Osterfeuer. Martin Luther lehnte beide als "heidnisch" und "papistisch" ab. 

Vorbereitungen zur Wasserweihe, Jesuitenkirche Wien 1. Foto: Doris Wolf

Wie das Feuer spielt auch das Wasser zu Ostern eine wichtige Rolle. In den frühen Gemeinden war die Osternacht "der" Tauftermin. Nach der neuen katholischen Ordnung schließt die Taufwasserweihe an die Allerheiligenlitanei an. Der Priester taucht die Osterkerze in das Wasser, dann können Taufen stattfinden. Ist dies nicht der Fall, weiht er das Wasser mit einem anderen Segensgebet. Weihwasser, das die Gläubigen als Sakramentale heimbrachten, galt als hilfreiches Mittel für und gegen alles. Ein Weihbrunnkessel durfte in keinem Haus fehlen, auch Felder, Ställe und Gräber wurden in Segen spendender Absicht besprengt. 

Zu den kirchlichen Osterbräuchen zählten Osterspiele, Ostermärlein (Ostergelächter, risus paschalis) und der Tanz über das Labyrinth. Die Darstellungen der Osterspiele - wie der Besuch der Frauen am Grab (Visitatio) mit der Salbenkrämerszene der koketten Maria Magdalena - wurden phantasievoll ausgestaltet, dass sie nicht mehr in den heiligen Raum zu passen schienen. Ostermärlein waren meist derbe Schwänke, die der Pfarrer in die Predigt einflocht, um die Gläubigen zum Lachen zu bringen. Sie waren in der Steiermark bis vor den Ersten Weltkrieg üblich. Im Boden gotischer Kathedralen befanden sich labyrinthförmige Mosaiken. Statt einer Straf-Wallfahrt, konnte man seine Buße dort verrichten. Zu Ostern durfte man sich mit einem Tanz über die irdischen Bindungen erheben.


Quellen: 
Adolf Adam: Das Kirchenjahr mitfeiern. Freiburg/Br. 1979. S. 54, 72
Hansjörg Auf der Maur: Feiern im Rhythmus der Zeit. Regensburg 1983. S. 116 f.
Benediktionale. Studienausgabe. Freiburg/Br.1989.
Karl-Heinrich Bieritz: Das Kirchenjahr. München 1994. S. 89 f., 130 f.
Alois Döring: Rheinische Bräuche durch das Jahr. Köln 2006. S. 163 f.
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1935/1987. Bd. 6 / Sp. 1311 f.