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Paschaller#

Im 16. und 17. Jahrhundert wurden die (Nieder-)österreicher als "Paschaller" bezeichnet, die angeblich stets nur Ostern (Passah) feierten und niemals fasteten. Die Charakteristik stammt vom Egerländer Humanisten Kaspar Bruschius, der das Land 1552 besuchte. Der Wiener Kardinal Melchior Khlesl (1552-1630), schloss sich dem Urteil an und nannte sich selbst 1590 in einem Brief einen "ungewanderten Paschaller". Um 1700 nimmt eine Beschreibung Österreichs Bruschius' Worte auf: "Seynd vor diesem Fläschträger und Paschaler genennet worden … Paschata quod cerebrent semper, jejuna numquam." Allerdings könnte es sich um eine humanistische Umschreibung für Österreicher (Leute aus dem Osterland) handeln, also nicht um einen Spottnamen, sondern ein vergessenes Gelehrtenwort. 

Die Einschätzung der "phäakischen Natur" wirkt bis in die Fremdenverkehrswerbung der Gegenwart. Österreich wird als "Feinkostladen Europas", "Genusswelt" und "Erlebniswelt" vermarktet. Vor der EU-Volksabstimmung 1994 standen an den Wiener Stadteinfahrten riesige Plakate mit der beruhigenden Mitteilung "Erdäpfelsalat bleibt Erdäpfelsalat". Seither gibt es in der EU rund 870 geschützte Lebensmittelbezeichnungen, 14 davon aus Österreich: "Gailtaler Almkäse", "Tiroler Almkäse", "Tiroler Bergkäse", "Tiroler Graukäse", "Vorarlberger Alpkäse", "Vorarlberger Bergkäse", "Wachauer Marille" und "Waldviertler Graumohn" (diese acht firmieren unter "geschützte Ursprungsbezeichnung", gU), ferner "Gailtaler Speck", "Marchfeldspargel", "Steirischer Kren", "Steirisches Kürbiskernöl", "Tiroler Speck" und "Mostviertler Birnmost" ("geschützte geografische Angabe", ggA).


Quellen:
Leopold Schmidt: Volkskunde von Niederösterreich. Horn 1972. Bd. 2/S. 192, S. 673
Klara Löffler: Zum Beispiel Erdäpfelsalat, in Österreichische Zeitschrift für Volkskunde. Wien 1997. S. 35 f.
EU-Schutz