Pecher#

Föhre. Foto: Alfred Wolf
Föhre. Foto: Alfred Wolf

2011 wurde die Pecherei, bei der Harz zur Herstellung von Terpentinöl oder Kolophonium gewonnen wird, in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Im südöstlichen Niederösterreich nutzten die Pecher (Pechhacker) das Harz der Schwarzföhren (Schwarzkiefer oder Schirmföhre, Pinus nigra subspezies nigra var. austriaca) entlang der Thermenlinie und im Wiener Becken. Der Bestand umfasst dort mehr als 30.000 ha und stammt größtenteils aus Aufforstungen. Im Steinfeld sind die im 18. Jahrhundert angelegten Föhrenwälder landschaftsprägend. Der Handel mit Harzprodukten setzte im Sinn des Merkantilismus im 17. und 18. Jahrhundert ein. Der Pecherhof Hernstein (NÖ) ist der letzte Harzverwertungsbetrieb Mitteleuropas und weltweit der einzige, der das Harz von Schwarzföhren verarbeitet. Gab es 1960 noch 750.000 Pechbäume, werden heute 4.000 Kiefern genutzt. Während der 1960er- Jahre haben rund 7.000 Familien davon gelebt, 2011 gab es in Österreich acht Pecher.

Pechbauern bearbeiteten eigene Bäume, Pachtpecher gingen in fremden Wäldern dem Beruf nach. Die Saisonarbeit begann im April und dauerte bis September: Die Bäume wurden mit speziellen Hacken eingehauen. Aus der Wunde rann das Harz durch Leitspäne (Scharten) langsam in einen Becher (Grandl). Nach vier bis fünf Wochen war ein Kilo Harz geflossen. Bei der "Ernte" entleerte der Pecher die kleineren Gefäße in Butten und Fässer, die er in die Pechsiederei brachte. Um einigermaßen leben zu können, musste ein Pecher 2.500 bis 3.000 Bäume bearbeiten, manche brachten es auf 5.000.

Der Pecher war mit einer Leiter unterwegs, um den Becher in immer größerer Höhe anzubringen. Schurz und Schulterschutz zählten zu seiner Arbeitskleidung. Leopold Schmidt berichtet noch im 20. Jahrhundert von traditionellen Pecher-Kirtagen, bei denen Berufslieder, vierzeilige Standeslieder, gesungen wurden. Ein Festmahl, der Pechhahn, krönte das Arbeitsjahr.


Quellen:
Leopold Schmidt: Volkskunde von Niederösterreich. Horn 1972. Bd. 1/257 f., Bd. 2/S. 501
Information Stadtmuseum Vöslau, 2008.
Föhre
UNESCO