Post#

Postkutsche

"Post" ist die Abkürzung von "a positis equis" (Standort der Pferde). In der römischen Kaiserzeit wurden Nachrichten und Personen mit Pferdewagen befördert. Zunächst zu Zwecken der Staatsverwaltung entwickelte sich das Postwesen in Italien, Frankreich und Deutschland. 1451 errichtete ein Oberjägermeister in Tirol Stationen zur Briefbeförderung. Die berittenen Eilkuriere der Regensburger Fürsten Thurn und Taxis wurden zum Symbol für Schnelligkeit. 

Postillon nannte man den Postknecht. Das Wort erscheint zuerst bei Paracelsus (1493-1541). 1844 ordnete eine Dienstanweisung das "Blasen der Posthornsignale" an. Der Postillon hatte seine Ankunft mit dem Hornruf anzukündigen, später übernahmen die Postautobusse die Tonfolge als Hupsignal.

Die erste Postkutsche fuhr 1610 in England. Seit der Zeit der Aufklärung erlangte sie große Bedeutung in der Personenbeförderung. In ganz Europa bildeten sich bestimmte, für die postalischen Aufgaben und regionalen Gegebenheiten geeignete Kutschentypen heraus. Die Reisegeschwindigkeit erhöhte sich zwischen 1700 und 1850 von zwei auf zehn Stundenkilometer. Mit dem Ausbau der Eisenbahn ging Mitte des 19. Jahrhunderts das Postkutschenzeitalter zu Ende. 2009 fuhren Mitglieder eines friulanischen Reitsportvereins mit historischer Ausrüstung auf der Poststrecke des 18. Jahrhunderts von Triest nach Wien. 16 Etappen von rund 30 Kilometern wurden in durchschnittlich je zweieinhalb Stunden zurückgelegt. Damit dauerte die ganze Reise, über Ljubljana, Maribor und Graz, inklusive der Pausen 40 Stunden.

Von 1875 bis 1956 bestand in Wien ein Rohrpostnetz. Mithilfe von Luft-Über- oder Unterdruck wurden zylindrische Behälter durch ein unterirdisches Rohrsystem zu den Postämtern geschickt. Die Rohrpost, deren Netz 1913 seine größte Ausdehnung erreichte, arbeitete mit hoher Geschwindigkeit. Zwischen 7 und 22 Uhr wurden die Sendungen an Werktagen halbstündlich verschickt, an Sonn- und Feiertagen dreimal täglich. Die roten Rohrpostkästen wurden halbstündlich entleert und die Eilbriefe sofort zugestellt. Nach dem Ausbau des Telefonnetzes verlor diese Beförderungsart ihre Bedeutung.

Vor dem Hintergrund kommender privater Konkurrenz führte die österreichische Post 2010 eine Kundenbefragung durch, an der rund 300.000 Personen teilnahmen. 94 Prozent gaben an, mit der Brief-Zustellung, 87 Prozent mit der Paketzustellung zufrieden zu sein. Mehr als 70 Prozent der Befragten war es wichtig, dass Pakete weiterhin von der Österreichischen Post gebracht werden. Österreichweit gab es 17.000 Briefkästen.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 646
Karl Brunner, Petra Schneider (Hg.): Umwelt Stadt. Wien 2005. S. 157
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1992. Bd. 2/S. 1193 f
Wikipedia: Postkutsche (Stand 14.8. 2008)
Wikipedia: Geschichte der Post
Wikipedia: Thurn-und-Taxis-Post
Wikipedia: Deutsche Postgeschichte
Postkutschenfahrt 2009
Post

Bild: Kutsche der k.k. Poststation Senftenberg. Ausgestellt in Bechyne/Bechin (Tschechien), wo sich in der österreichisch-ungarischen Monarchie Sitz des Oberst-Erbland-Postmeisters befand. Foto: Alfred Wolf