Primiz#

Primiz-Einladung, 1914. Gemeinfrei
Primiz-Einladung, 1914. Gemeinfrei

Die erste Messe, die ein katholischer Priester nach seiner Weihe feiert, heißt Primiz. Er erteilt den Teilnehmern einzeln den Primizsegen, zur Erinnerung werden Primizbildchen verteilt. Weihetermin ist üblicherweise das Apostelfest "Peter und Paul" am 29. Juni. 

Das traditionelle Primizbrauchtum hatte Ähnlichkeit mit dem einer Hochzeit: Wohnhaus und Kirche waren mit Tannenreisig, Fahnen und Sprüchen geschmückt. Der Neugeweihte zog mit Musik und Glockenläuten in das Gotteshaus ein. Die ihn begleitenden Gäste hatten Sträußchen angesteckt, in der Prozession waren weiß gekleidete kleine Mädchen. Die Primizbraut, mit Schleier und Kränzchen, trug die Primizkrone auf einem Polster. Diese wurde auf dem Altar als Zeichen des Zölibats "geopfert", ein Brauch, den Sebastian Franck schon 1534 beschrieb.

Vom Neupriester als "heiligem Außenseiter" erwartete das "fromme Volk" nahezu Wunder, etwa, dass seine Primizmesse Spukgestalten erlösen könne. Besondere Bedeutung kam der Wandlung zu, daher versteckte man manches unter dem Altartuch, damit es "geweiht" würde. Der Primizsegen wurde als so wirksam angesehen, dass man sagte, es lohne sich, dafür ein Paar Schule durchzulaufen. Der Priester selbst galt vielen kraft seines Amtes als nahezu heilige Person. 


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 652
Helga Maria Wolf. Das neue BrauchBuch. Wien 2000. S. 210