Rad#

Fahrradständer Wien 19.Foto: Wolf
Fahrradständer Wien 19.Foto: Wolf

Das Rad ist eine bahnbrechende Erfindung der Menschheit. Vermutlich kamen Transportmittel mit Rädern an unterschiedlichen Orten etwa gleichzeitig - Mitte des 4. vorchristlichen Jahrtausends - auf. Das drehbar befestigte Rad, das den Lastentransport erheblich erleichtert, war mit Steinwerkzeugen herzustellen. Als Material wurde Holz verwendet und seit der Bronzezeit die Radnaben mit Lagerhülsen und die Radkränze mit Reifen aus Metall versehen. Vor der Erfindung des Wagens war das Prinzip der drehbaren Achse bei der Töpferscheibe in Mesopotamien und Ägypten bekannt. 

Als Symbol und in der populären Kunst findet sich das Rad häufig. Bilder des stehenden Glücksrades, welches das Auf und Ab des Glücks symbolisiert, sind seit dem 12. Jahrhundert bekannt. Albrecht Dürer (1471–1528) zeigte die Göttin Fortuna mit einem Glücksrad, Sebastian Brant stellte es im "Narrenschiff" dar, zahlreiche Volkskalender nahmen das Motiv auf. Ein Rad im Stadt- oder Familienwappen deutet auf die Gerichtsbarkeit hin. Als Heiligenattribut findet es sich bei Katharina, die mit einem Räderwerk getötet werden sollte. Mit Stroh umflochtene Wagenräder wurden bei Jahresfeuern auf den Bergen entzündet und zu Tal gerollt. Hinweise darauf enthält eine Predigt des hl. Eligius im 7. Jahrhundert. In den Rau(ch)nächten galten Verbote für die Arbeit mit Rädern, wie Fahren oder Spinnen. Allgemein bekannt war die Vorstellung "Ein altes Wagenrad schützt gegen böse Mächte", daher brachte man es über den Toren an. Dem Storch legt man als Nisthilfe ein Rad auf den Rauchfang. 

Rädern war seit dem 13. Jahrhundert eine Todesstrafe für Mörder und Räuber. Zunächst wurden die Gliedmaßen des Delinquenten mit dem Rad zerstoßen, dann der Körper in die Speichen eingeflochten zur Schau gestellt, wobei das Rad weithin sichtbar auf einem Mast lag. Daran knüpfen sich die Ausdrücke, sich "wie gerädert" fühlen, oder "radebrechen" - eine Sprache verstümmeln, misshandeln. Das Tragen eines Rades wurde als Schandstrafe verhängt (1374).  

In verschiedenen Redensarten findet sich das Rad. Das "fünfte Rad am Wagen" meint seit dem 11. Jahrhundert etwas Überflüssiges. Hingegen fehlt etwas (z.B. der Verstand), wenn "ein Rad locker" ist. "Rädlein" nannte man eine Schar der Landsknechte und ihren Anführer den "Rädelsführer". Das "Rad der Geschichte" kann man nicht zurückdrehen. "Alle Räder stehen still" heißt es 1863 im Bundeslied des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. "Radfahrer" ist die Bezeichnung für einen Menschen, der "nach oben buckelt und nach unten tritt".


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 293, 659
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1936/1987. Bd. 7/Sp. 463 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1992. Bd. 2/S.1219 f
Wikipedia: Rad (Stand 9.8.2008)