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Rendezvous#

Postkarte Anfang 20. Jh. Gemeinfrei
Postkarte Anfang 20. Jh. Gemeinfrei

Rendezvous - das klingt nach Romantik, auch die Übersetzung "Stelldichein" entstand um 1800. Der jüngste "Duden" nennt die Wörter für ein verabredetes Treffen (von Verliebten, eines Paares) "veraltend, meist noch scherzhaft". Neudeutsch würde man "Date" sagen.

Das gute, alte Rendezvous, zu dem der Herr womöglich mit Blumen erscheint, hat trotzdem seinen Reiz. Orte dafür gab und gibt es genug: Caféhäuser, Parks, es darf auch der Naschmarkt sein. Sie sollen Vertrautheit und Öffentlichkeit ermöglichen. "Ob in einem Lokal, zu einem kulturellen Event oder einer Musikveranstaltung, ein gelungenes Treffen setzt voraus, dass beide sich wohlfühlen," empfiehlt ein moderner Flirtratgeber.

In früheren Zeiten wurde die Ehe vorwiegend als Zweckgemeinschaft gesehen, eine Liebesheirat war nur Privilegierten möglich. Rendezvous fanden, wenn überhaupt, heimlich oder unter dem gestrengen Blick einer Anstandsdame statt. Dazu hieß es anno 1895, dass man in Wiener Parks "auffallend geputzte, manchmal auch auffallend schöne Mädchen" im Beisein einer älteren Begleiterin antreffen konnte: "Wenn sie auch nicht hörte, was hie und da von den Herren den Damen zugeflüstert wurde, so sah sie doch Blicke, die sie nicht hätte sehen sollen." Wurde in den oberen Gesellschaftsschichten die Etikette groß geschrieben, so hatten die Herren doch ihre Privilegien. Eine klassische Rendezvous-Einladung findet sich in der Mozart-Oper "Figaros Hochzeit".Graf Almaviva wünscht ein Stelldichein mit der Zofe Susanne. "Kommst Du zu mir in den Garten?" - "Um die bestimmte Zeit." - "Lässt mich umsonst nicht warten?" - "Sie finden mich bereit."

Wiener Dienstboten blieben bei ihren bescheidenen Vergnügungen unter sich. Beim "Fünfkreuzertanz" spielte die Blasmusik, der Tänzer hatte für jeden Tanz fünf Kreuzer - was etwa dem Preis von 1 kg Erdäpfeln entsprach - zu erlegen. Frauen brauchten nichts zu bezahlen. Es war eine billige und zwanglose Möglichkeit junger Soldaten zum Rendezvous mit Dienstmädchen und Köchinnen, die hier in der heimatlichen Sonntagstracht, ihre karge Freizeit verbrachten.

Apropos Militär: Rendezvous (wörtlich: "treffen Sie sich") bedeutete ursprünglich die Bestellung von Truppenteilen an einen bestimmten Ort und bezeichnete auch den Sammelplatz selbst. In Wien-Floridsdorf gibt es am Stadtrand einen Rendezvousberg. Er war der Treffpunkt der kaiserlichen Jagdgesellschaften im Stammersdorfer Wald und erhielt nach dem Ausbau der Brünner Straße eine Poststation mit einem Gasthaus. Hier kam es 1805 zur Begegnung von Napoleon und Erzherzog Karl. Doch gab es wohl auch andere Rendezvous, ehe das Wirtshaus zum Baumarkt wurde.

"Extreme richten … Schaden an," lehrt der Flirtratgeber. "Wer übertrieben leger auftritt, läuft Gefahr, einen ungepflegten Eindruck zu erwecken. Wer übertrieben zurecht gemacht erscheint, gerät in den Verdacht der Eitelkeit oder gar der Penetranz. Kleidung will nicht angezogen, sie will getragen werden."