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Richtfest#

Das Richtfest (Gleichenfeier) geht auf  Rechts- und Berufsbräuche der Zimmerleute zurück und wird bis in die heutige Zeit gefeiert. Ein geschmücktes Nadelbäumchen auf dem First zeigt die Fertigstellung des Dachstuhls an. Als älteste Nachricht ist eine Stadtrechnung aus Bad Windsheim (Deutschland) aus dem Jahr 1400 erhalten. Der Besitzer lud Handwerker und Nachbarn zu einem Festmahl und Umtrunk ein. Der Polier (Parlier - Sprecher) oder Zimmermann sagte einen Spruch. Es wurde auf das Haus und seine Bewohner angestoßen und die Gläser zu Boden geworfen, die zerbrechen sollten ("Scherben bringen Glück"). Danach konnte das gemeinsame Dachdecken beginnen. Der Arbeitsabschluss-Brauch wurde bei Tiefbauwerken, Straßen, Brücken usw. übernommen.

Am 30. Juni 2016 fand in Wien-Döbling die Gleichenfeier eines Hauses mit 41 Eigentumswohnungen und einem Supermarkt statt. Die Premium Immobilien Investment-Gesellschaft gab ein Fest für die mit dem Bau Beschäftigten, Eigentümer und Interessenten. Dabei konnte man die traditionellen Brauchelemente beobachten. Auf dem Dach und auf einem Balkon stand je ein mit rot-weißen Bändern geschmücktes Nadelbäumchen. Vom Balkon aus verlas eine Mitarbeiterin der Baufirma Pongratz den gereimten Bauspruch. Sie erhob ein Sektglas und warf es unter dem Applaus der Anwesenden zu Boden. Baumeister und Immobilienentwickler hielten kurze Dankansprachen, schließlich übergab der Bauherr dem Baumeister Kuverts mit Prämien für die Arbeiter. Daran schloss sich eine Besichtigung, Mutige konnten den Rohbau in einer vom Kran bewegten Kabine von oben betrachten. In den zukünftigen Räumlichkeiten des Supermarkts wurde ein Gesamtzeitraffer-Video der Baucam projiziert, den Abschluss bildete ein reichhaltiges Buffett mit warmen Speisen.

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Fotos: Doris Wolf, 30.6.2016


Quelle: Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 673 f.