Riese#

Umzugsriese

Gestalten von ungewöhnlicher Körpergröße finden sich in vielen Überlieferungen. Die österreichische Sagensammlung "sagen.at" verzeichnet 357 Erzählungen, in denen gute, böse oder dumme Riesen vorkommen. Im Versepos "Laurin" (Kaspar von der Rhön, 1472) besiegen die Helden nicht nur den Zwergenkönig und seine Untertanen, sondern auch die fünf Riesen, die Laurin dienten. 

Der bekannteste Riese ist wohl Rübezahl, der als Berggeist des Riesengebirges (zwischen Polen und Tschechien) seit 1550 bezeugt ist. Zu guten Menschen ist er freundlich und beschenkt sie, doch wenn man ihn verspottet, rächt er sich. Auch darf man ihn nicht beim Namen nennen. 1662 gab der Märchensammler Hans Schulze (1630-1680, genannt Johannes Praetorius) die ersten 13 Rübezahlgeschichten heraus. Sie waren so erfolgreich, dass bald ein zweiter Band mit 102, und ein dritter mit 89 Geschichten folgte. Spätere Autoren verfassten weitere Rübezahlmärchen. 

Unerklärliche Bauwerke oder Felsformationen wurden dem Wirken von Riesen (oder dem Teufel in Riesengestalt) zugeschrieben, Mammutknochen oder -zähne für ihre Relikte gehalten. Das Riesentor des Wiener Stephansdoms hat damit nichts zu tun. Vielmehr deutet die Bezeichnung auf die Trichterform des nach innen tief und schräg abfallenden Portals hin ("risen" = "sinken", "fallen").

Umzugsriesen wie die Figuren des Samson traten ab dem 16. Jahrhundert in mehreren europäischen Ländern bei Fronleichnamsprozessionen auf. Die 5 m hohen, 80 kg schweren Figuren sind in einigen Orten Salzburgs und der Steiermark zu sehen.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 674 f., 683 f.
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 4/S. 675
Eberhard Kummer: CD Laurin. Epos und Schwank im mittelalterlichen Tirol. Wien 2004
Sagen
Riesentor

Bild: Umzugsriese Samson, Mauterndorf (Salzburg). Foto: Alfred Wolf, 2005