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Sakramentalien#

Palmbuschen

Seit dem 12. Jahrhundert bezeichnet der Sammelname Sakrament die für das Leben der katholischen Gemeinde grundlegenden gottesdienstlichen Handlungen, die nach der heiligen Siebenzahl geordnet wurden: Taufe, Eucharistie, Firmung, Ehe, Beichte, Krankensalbung, Weihesakrament. Dabei betont die Kirche, dass diese keine magischen Vorgänge sind, die automatisch wirken, sondern gläubige Bereitschaft der Empfangenden voraussetzen. Die evangelische Kirche erkennt nur zwei Sakramente an - Taufe und Abendmahl -, für die ein Stiftungswort Jesu überliefert ist.

Sakramentalien ist in der katholischen Theologie eine Bezeichnung für Riten, die nicht von Jesus Christus her begründbar, sondern von der Kirche als "Nachahmung der Sakramente" eingeführt wurden. Dazu zählen Weihungen (Konsekrationen) und Segnungen (Benediktionen). Grundsätzlich können alle Getauften und Gefirmten segnen, Weihungen sind Amtsträgern, manche, wie die Salbung mit Chrisam sind Bischöfen vorbehalten. Man unterscheidet Realbenediktionen (über Dinge) und Personalbenediktionen (über Menschen), konstitutive (Weihen, die einen Gegenstand ausschließlich zum gottesdienstlichen Gebrauch bestimmen) und invokative Benediktionen (für Gegenstände, die im natürlichen Gebrauch bleiben).

Das Rituale Romanum von 1614 enthielt 18 Segnungen durch Priester und zehn weitere für Bischöfe bzw. deren Bevollmächtigte. Zur ersten Gruppe zählen Weihwasser, Kerzen, Häuser, Orte, Schiffe, Früchte und Weinberge, Pilger, Lebensmittel. Spätere (regionale) Rituale enthalten u.a. auch eine Segnung von Gold, Weihrauch und Myrrhe am Fest der Dreikönige gegen Zauberei, Brotsegnungen am Blasiustag, Segnung der Saaten und Pflanzen am Markustag, Johanneswein, Segnungen religiöser Gegenstände wie Kreuze, Medaillen, Skapuliere, Ringe etc. Solche Gegenstände waren im traditionellen Gebrauch hoch geschätzt und weit verbreitet.


Quellen:
Benediktionale. Studienausgabe. Freiburg/Br.1989
Rupert Berger: Neues Pastoralliturgisches Handlexikon. Freiburg/Br. 1999. S. 455, 459, 548 f.
Protokolle zur Liturgie (Hg. Rudolf Pacik und Andreas Redtenbacher) Würzburg 2008. S. 158 f.
Hubert Vorgrimler: Neues theologisches Wörterbuch. Freiburg/Br. 2000. S. 547f.

Bild: Am Palmsonntag werden Palmbuschen geweiht. In Sindelburg (Niederösterreich) sind sind sie besonders prächtig. Foto: Alfred Wolf, 1985