Salz#

Salzfass

Im 1. Jahrhundert lobte der griechische Arzt Dioskurides Salz als Universalheilmittel. Es war ein teures Gewürz und wichtiger Konservierungsstoff zum Einpökeln von Fleisch und Fisch. Salz kam lange Zeit nicht feinkörnig, sondern als Brocken in den Handel. In Gefäßen (von denen die Saliera im Wiener Kunsthistorischen Museum wohl das berühmteste ist) auf den Tisch gestellt, wurde es mit Messern abgeschabt. Seit der Römerzeit bestand in der Gegend der Ruprechtskirche, Wien 1, ein Hafen für Salz aus Oberösterreich und Salzburg. 1504 bis 1824 befand sich beim Salzgries das landesfürstliche Salzamt.

Salz gilt als das "weiße Gold der Alpen". In Hallstatt wurde in der Bronzezeit, im 15.- 12. Jahrhundert v. Chr., Salz abgebaut. Dort hat man in 100 m Tiefe die älteste Holztreppe der Welt entdeckt und auf 1343 v. Chr. datiert. Die Stiege hat sich somit über 3.350 Jahre in gutem Zustand erhalten.

Im Spätmittelalter stieg der Salzbedarf, nicht nur für den menschlichen Verbrauch, sondern auch zur Tierfütterung und als Konservierungsmittel für Fleisch. Salz brachte einen wesentlichen Teil der landesfürstlichen Einnahmen, was den Schmuggel provozierte. "Salz macht Fürsten reich und Bauern arm: Goldene Gewinne, gesalzene Preise". Im 13. Jahrhundert war Hallein die führende Saline im Alpenraum. Bis Ende des 16. Jahrhunderts blieben die Salzburger Erzbischöfe die bedeutendsten Salzherren Mitteleuropas. Die Produktion war fast so hoch wie die aller habsburgischen Salinen. Diese befanden sich in Hallstatt, Hall in Tirol und Aussee. Immer wieder kam es zu erbitterten Auseinandersetzungen um die Absatzgebiete.

Schon die Kaiser Friedrich III. (1415-1493) und Maximilian (1459-1519) strebten das Salzmonopol in Österreich an. Ärarische Salzämter und Lager bestanden bis in die 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts unterstanden die fünf Bergbaubetriebe in Altaussee, Bad Ischl, Hallstatt, Hallein und Hall in Tirol mit rund 2.300 Beschäftigten. dem k.k. Finanzministerium. Nach dem 2. Weltkrieg reduzierte man den Mitarbeiterstand auf 600 Personen. 1979 wurde das Staatsunternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, alle Aktien blieben in Staatsbesitz. 1997 erfolgte die Privatisierung als Salinen Austria AG. Eigentümer ist seither die Österreichische Salinen Aktiengesellschaft, die zu 43,75 Prozent im Eigentum des ehemaligen Finanzministers Hannes Androsch steht. Als Unternehmensziel nennt sie neben der Siedesalzgewinnung den Fremdenverkehr. Die Salinen betreiben Schaubergwerke in Hallein, Hallstatt und Altaussee.
Weil Salz als eines der wenigen Produkte in der Landwirtschaft nicht selbst erzeugt werden konnte, sondern gekauft werden musste, galt Verschütten als Frevel und schlechtes Omen. Brot und Salz bietet man dem Gast zur Begrüßung an. Bei Geburt (Taufe), Hochzeit und Tod spielte es als Zeichen des (ewigen) Lebens eine Rolle. In der Antike diente es der kultischen Reinigung (Lustration) der Neugeborenen und der Opfergaben. In frühkirchlicher Zeit reichte man es den Taufbewerbern. Weihwasser, besonders dem Dreikönigswasser, fügte man Salz bei. Es ist auch eines der Lebensmittel bei der österlichen Speisenweihe.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 691
Rupert Berger: Neues pastoralliturgisches Handlexikon. Freiburg/Br 1999. S. 462
Felix Czeike: Wien Innere Stadt. Wien 1993. S. 150
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 5/S. 35f., Bd. 5/S. 39

Bild: Hölzernes Fässchen, durch langjährigen Gebrauch vom Salz zerfressen. Foto: Alfred Wolf, 2008