Schaf#

Schaf

Schafe gehören zu den ältesten Haustieren. Robust und genügsam, können sie sich dem Klima und Nahrungsangebot gut anpassen. Männliche Tiere nennt man Bock oder Widder, weibliche Mutterschaf, bis zu einjährige Lamm. Als weltweit verbreitete Nutztiere liefern sie Wolle, Milch, Fleisch und Fett (Talg, Unschlitt), neuerdings schätzt man ihre Hilfe bei der Landschaftspflege. Das Hausschaf (Ovis orientalis aries) ist die domestizierte Form des Mufflons. Die Schafzucht begann vor ca. 10.000 Jahren in Kleinasien, Funde in Europa belegen sie seit der Stein- und Bronzezeit.

Zahlreich sind die Darstellungen in der Kunst, für die antike Widder-Plastiken und christliche Bilder frühe Beispiele sind. Das "Lamm Gottes" (Agnus Dei) ist seit ältester Zeit ein Symbol für Jesus Christus, als Osterlamm mit der Siegesfahne für seine Auferstehung. Die Vorstellung bezieht sich auf das Lamm als Opfertier im Alten Testament, besonders auf die Pessach-Lämmer (Ex 12). Zweimal verweist Johannes der Täufer auf Jesus mit den Worten: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ (Joh 1,29, Joh 1,36). In der Offenbarung des Johannes wird das Lamm Gottes beschrieben (Offb 5,6), das allein das Buch mit den sieben Siegeln öffnen kann, dadurch die endzeitlichen Geschehnisse in Gang setzt und schließlich im Zentrum des Neuen Jerusalem steht (Offb 5,5; Offb 14).

Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens berichtet vom Schaf nicht nur als Opfer-, sondern auch als Orakeltier. Im Angangglauben überwiegt die Glücksbedeutung. Produkte des Schafes wurden für Zauber und Heilversuche verwendet. Schlafen auf einem Schaffell sollte gute Träume hervorrufen. Auf die Wirkung des wasserhaltigen Wollfetts (Lanolin), die schon in der antiken Medizin bekannt war, vertraut man noch bei Gicht und Rheumatismus. 

Redensarten sind z.B. "Sein Schäfchen ins Trockene bringen" (sich einen Vorteil sichern), "das merkt ein Schaf" (selbst der Dümmste). Das "schwarze Schaf" kommt schon in der Genesis vor (Gen 30,32).

Der Schäfer, der mit der Herde zu den Weideplätzen zieht, zählt zu den ältesten Berufen. Die Schäferdichtung (arkadische oder bukolische Dichtung) war eine beliebte Literaturgattung der europäischen Renaissance und des Barock. Sie idealisierte das Hirtenleben mit lyrisch-musikalischen Elementen, Prosa, Dialogen und kunstvollen Versen. In der Musik bezeichnet "Pastorale" eine Barockoper, die sich aus dem Schäferspiel des Sprechtheaters entwickelte. Die Pastorale der Instrumentalmusik hat ihren Ursprung im weihnachtlichen Musizieren italienischer Hirten.


Quellen:
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens.Berlin 1936/1987. Bd. 7 / Sp. 974 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br.1992. Bd. 3 / S. 1295 f.
Wikipedia: Schaf (Stand 7.10.2008) 
Wikipedia: Pastorale

Bild: Lämmer. Foto: Alfred Wolf