Schiff#

Schiff

"Ein Schiff ist ein größeres Wasserfahrzeug, das nach dem Archimedischen Prinzip schwimmt", schreibt "Wikipedia" und nennt als älteste Nachweise Einbaum- und Paddelfunde in Nordeuropa, die bis ca. 7500 v. Chr. zurückreichen. Im 7. nachchristlichen Jahrhundert baute man dort Ruder- und Segelschiffe. Daraus entstand das Wikingerschiff, das bis zum 13. Jahrhundert der beherrschende Schiffstyp Nordeuropas war. Damit erreichten die Wikinger Island (862), Grönland (901), Amerika (um 1000) und drangen bis in den Mittelmeerraum vor. Bekannte Schiffe waren die antiken und neuzeitlichen Galeeren, mit Hunderten Ruderern. Um 1500 ermöglichten Segelschiffe die großen Entdeckungen und den Fernhandel. Dampfschiffe waren zunächst Segelschiffe mit einem Hilfsantrieb. Der entscheidenden Durchbruch kam mit der Erfindung der Schiffsschraube, die Joseph Ressel (1793-1857) zur technischen Reife brachte. 

Für Österreich war die Schiffahrt auf der Donau von größter Bedeutung. Seit dem Spätmittelalter (1488 erstmals erwähnt) diente die Ulmer Schachtel (oder Wiener Zille) der Beförderung von Waren und Personen. Die 1 ½ m hohen Bordwände trugen die Stadtfarben von Ulm als Streifenmuster. Die 22 bis 30 Meter langen, und 3 bis 7,5 m breiten Schiffe waren in der Mitte des Decks mit einem Hausaufbau ("Schachtel") versehen und trieben, mit vier Stangen gelenkt, flussabwärts. Sie wurden von einer eigenen Zunft gebaut, betrieben und am Ende der Fahrt als Nutzholz verkauft. Es bestand ein fahrplanmäßiger Verkehr der "Ordinari-Schiffe" nach Regensburg, Passau, Linz, Wien, Budapest und Belgrad. Stromaufwärts wurden Wasserfahrzeuge von - bis zu 60 - Pferden gezogen. Da sich die Anlegeplätze im 9. Bezirk, an der Rossauer und Spittelauer Lände, befanden, entwickelte sich hier ein Zentrum des Sattlergewerbes, ebenso wie der Wagner und ihrer Zulieferer. Mit dem Ausbau der Dampfschifffahrt ging um 1900 das Zeitalter der historischen Donauschiffe zu Ende.

1830 lief der erste Donaudampfer ("Franz I.") vom Stapel und bald nahm die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft (DDSG) den regelmäßigen Verkehr nach Pressburg und Budapest auf. Die Talfahrt dauerte etwa 14 Stunden. 1837 fuhr das Dampfschiff "Maria Anna" mit 250 Passagieren erstmals stromaufwärts nach Linz und benötigte dazu mehr als zweieinhalb Tage. Ende des 19. Jahrhunderts war die DDSG mit 154 Raddampfern, 25 Schraubendampfern, 8 Kettenschiffen, 770 Transportfahrzeugen, 273 weiteren Fahrzeugen und Eisenbahnfuhrpark, zwei Werften und vier Reparaturwerkstätten die größte Binnenschifffahrt-Gesellschaft der Welt. Sie bestand 1829 bis 1990. 

Symbolisch und in Redensarten kommt das Schiff seiner Bedeutung entsprechend oft vor. So schildert der Schwank "Der Wiener Meerfahrt von dem Freudenleeren" vor 1273 den schädlichen Einfluss des Weins. Unter dessen Einfluss beginnen einige Bürger zu phantasieren. Sie meinen, auf einem Kreuzfahrerschiff zu sein - wobei der Wirt der eifrigste "Pilger" war. 1494 erschien in Basel das moralsatirisch-didaktische Werk "Das Narrenschiff" des Humanisten Sebastian Brant. Kirchengemeinden vergleichen sich mit einem Schiff ("Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit…). Das Schiff war seit der antiken Metaphorik ein bekanntes Bild, z.B.: "Die Ratten velassen das sinkende Schiff", "das Schiff ist mit Mann und Maus untergangen" (alles ist verloren), jemand "führt ein großes Schiff" (trägt viel Verantwortung), "das Schiff nach dem Wind richten" (lavieren), "wir sind alle auf einem Schiff / sitzen in einem Boot" (teilen das Schicksal), "Schiffbruch erleiden".


Quellen:
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 2/S. 66 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1992. Bd. 3/S. 1330
Helga Maria Wolf: Mythos Wasser. St. Pölten 2009
Wikipedia: Schiff (Stand 8.10.2008)
Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt

Bild: Neujahrsglückwunsch mit Schiff, Holzschnitt um 1500