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Schnecke#

Schnecke

Schnecken (Gastropoda) bilden - mit über 43.000 Arten - die artenreichste Tierklasse der Mollusken. 78 Prozent aller bekannten Weichtierarten sind Schnecken. Ihre Größe variiert von unter 1 mm bis zu 50 Zentimeter. Die Schnecke besitzt häufig eine spiralförmig gewundene Schale (Schneckenhaus), in die sie sich bei Gefahr zurückzieht. Schneckenhäuser wurden seit der Antike als Amulette und Abwehrzauber verwendet. 

Während Schnecken, wie die in den 1970er- Jahren aus Westeuropa eingeschleppte Spanische Wegschnecke (Arion lusitanicus vel Arion vulgaris) zum Problem werden, weil sie Pflanzen bis zum Kahlfraß schädigen, sprach man den Weichtieren früher medizinische und magische Wirkung zu. Besonders schwarze Schnecken wurden als heilkräftig angesehen, eine Salbe aus roten als Haarfärbemittel verwendet. In Südeuropa gelten Weinbergschnecken als Delikatesse. 

In Bräuchen spielten Schnecken eine Rolle, indem man sie regional am Aschermittwoch aß. Im Schneckensammelgebiet von Pottendorf (Niederösterreich) zogen am fünften Fastensonntag die Ortsburschen in weißer Fleischhauerkleidung eine große Schneckenfigur durch den Ort, hängten sie an einen Baum und zerschlugen sie mit einem Fleischerbeil. Dabei wurden die Zuschauer mit "Blut" bespritzt. Klappernde Schneckenschalen schmückten das Kostüm des "wilden Mannes". Aus dem Verhalten der Schnecken schloss man auf den Winter. 

In Redensarten erscheinen sie als Sinnbild der Langsamkeit (was in der Natur nur auf Schnecken mit Schale zutrifft): Schneckengang, Schneckenpost, Schneckentempo. Aus der Soldatensprache kommt "Jemanden zur Schnecke machen" (moralisch vernichten). "Sich ins Schneckenhaus zurückziehen" wurde schon von Goethe verwendet.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 713
Arthur Haberlandt: Taschenwörterbuch der Volkskunde Österreichs. Wien 1953. Bd. 2/S. 99
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1936/1987. Bd. 7/Sp. 1114 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1992. Bd. 3/S. 1381 f
Wikipedia: Schnecken (Stand 11.8.2008)

Bild: Schneckenhausförmige Treppe, Stift Melk (Niederösterreich). Foto: Alfred Wolf, 2000