Schuh#

Schuh

Der Schuh (ahd. scuoh, idg. *skeu- ‚bedecken, umhüllen‘) ist nicht nur eine Fußbekleidung, sondern auch Modeartikel, er verriet (und verrät noch) einiges über die soziale Zugehörigkeit. Im römischen Reich gab es Vorschriften, wer welches Schuhwerk tragen durfte. Im 14. und 15. Jahrhundert sagte die Länge der Schnabelschuhe etwas über die Standeszugehörigkeit aus. Die Spitzenmodelle waren zur Fortbewegung ebenso wenig geeignet wie die seidengewirkten Stöckelschuhe der Rokoko-Damen. Schuhe mit Absätzen setzten sich in Europa erst im 17. Jahrhundert durch. Bauern und Unterschichten gingen lange Zeit barfuß oder trugen Bundschuhe (ein Stück Leder um den Fuß gewickelt), Holzschuhe bzw. Stiefel.

Schuhe wurden von Schuhmachern angefertigt, Kleingewerbetreibenden, deren bescheidene Werkstatt oft nur von einer Kerze beleuchtet war. Die mit Wasser gefüllte gläserne Schusterkugel auf dem Arbeitstisch fokussierte das schwache Licht wie eine Sammellinse und konnte so die Beleuchtung verbessern. Auf dem Land waren oft Störschuster unterwegs, die alte Schuhe reparierten und aus dem vom Bauern erhaltenen Leder neue anfertigten. Schuhmacher in Werkstätten arbeiteten entweder nach Maß oder auf Vorrat, den sie auf Märkten verkauften. In Niederösterreich bekannt war der Schusterkirtag auf dem Kollmitzberg mit mehr als 100 Ständen. 1582 verlegte das Stift Ardagger seinen Herbstjahrmarkt auf den von der Pest verschonten Berg mit der Pfarr- und Wallfahrtskirche Zur hl. Ottilie. Viele Gläubige pilgerten barfuß bergauf und kauften sich beim Jahrmarkt neues Schuhwerk.


Quellen:
Emmy Gina Berg: Ältestes Privatschustermuseum, in: SammlerJournal Schwäbisch Hall 1980. S. 92 f
Helga Maria Wolf: Mythos Wasser. St. Pölten 2009. S. 68
Wikipedia: Schuh (Stand 29.8.2008)

Bild: Geschäftsschild eines Schuhmachers. Ehem. Niederösterreichisches Museum für Volkskultur Groß-Schweinbarth. Foto: Helga Maria Wolf