Schule#

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Foto: Doris Wolf
Foto: Doris Wolf

Im Mittelalter bestand keine Schulpflicht, die Entscheidung über einen Unterricht lag bei den Eltern. In den Dörfern gab es nur Winterschulen, doch hatte jede Stadt in Deutschland eine Lateinschule. Der Humanist und Abt Johannes Butzbach (1477-1516) aus Miltenberg am Main (Deutschland) schrieb, dass ihm seine Tante Freude am Schulbesuch machte, indem sie ihm zum Schulbeginn Brezeln schenkte. Der erste Schultag war damals am Fest des Patrons der Scholaren, am Gregoritag (11. März). Brezel und Zuckerwerk spielten auch bei einem Brauch eine Rolle, an den sich der Kölner Ratsherr Hermann Weinsberg (1518-1597) erinnerte. Schüler zogen von Haus zu Haus und fragten die Eltern, ob Kinder da wären, die sie in die Schule geben wollten. Willigten die Eltern ein, nahmen die Schüler das Kind mit. An der Spitze des Zuges ging der Schülerbischof mit zwei "Klerikern", dem Stangen mit Brezel und Süßigkeiten vorangetragen wurden. Geführt von den Lehrern, folgten verkleidete Schüler und Maskengestalten. Abends lud der Vater des Schülerbischofs zum Schmaus.

Beim Virgatumgehen (lat. virgatum - geflochten) mussten die Schüler die Stöcke und Ruten holen, mit denen sie später im Unterricht geschlagen wurden. Weinsberg schrieb: "Auf dieser Schule habe ich angefangen, still zu sitzen und schweigen zu lernen, auch Abc zu lesen und schreiben …"

Bis in die Barockzeit lag das Schulwesen in privaten und kirchlichen Händen, besonders des Jesuitenordens. Maria Theresia führte die allgemeine Schulpflicht ein, Ab 1774 bestand eine sechsjährige Unterrichtspflicht an Volksschulen. Auch nach der Neuorganisation behielt die Kirche, die über Erfahrung auf dem Bildungssektor und die nötige Infrastruktur vefügte, die Schulaufsicht. In den Dörfern sollten die Pfarrer Schulgründungen organisieren. 1869 etablierte das Reichsvolksschulgesetz die achtklassige öffentliche Volksschule. Wenn (in den Städten) eine eine dreiklassige Bürgerschule (der Vorläufertyp der heutigen Hauptschule) bestand, konnte man nach fünf Volksschulklassen in diese wechseln. Für Kinder, die arbeiten mussten, gab es Sonderbestimmungen. Kinder, die in Fabriken arbeiteten, erhielten in eigenen Fabriksschulen wöchentlich mindestens 12 Stunden Unterricht. Bauernkinder konnten nach Absolvierung von sechs Klassen Pflichtschule (also ab 12 Jahren) vom Schulbesuch dispensiert werden.

Seit 1868 bestand der Typ der 7-klassigen Realschule mit modernen Fremdsprachen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Der Besuch von Gymnasien war männlichen Schülern vorbehalten. Erst ab 1872 durften Mädchen, die sich in Privatschulen darauf vorbereitet hatten, die Matura als Externistinnen an einem Knabengymnasium ablegen. Dies war die Voraussetzung für ein Universitätsstudium, das Frauen ab 1897 ermöglicht wurde.


Quellen:
Veit, Ludwig Andreas: Volksfrommes Brauchtum und Kirche im deutschen Mittelalter. Freiburg/Br. 1936, S. 181 f.
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