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Schwein#

Foto: Alfred Wolf
Foto: Alfred Wolf

Neben dem Hund gilt das Schwein als frühestes Haustier. Die Domestizierung des Wildschweins begann vor mehr als 10.000 Jahren vermutlich gleichzetig in China, dem Vorderen Orient und Europa. Anfangs hielt man Schweineherden in Wäldern, wo sie sich hauptsächlich von  Eicheln ernährten, oder auf eingezäunten Weiden in Siedlungsnähe. Der Herbst war die Hauptphase der Schweinemast, vielfach war es üblich, am Festtag des Heiligen Michael (29. September) damit zu beginnen und vor dem Adventbeginn (Fastenzeit) zu schlachten.

Ein so wichtiges Tier spielte naturgemäß im Aberglauben eine Rolle. Bekannt ist das Glücksschwein zu Neujahr im Sinn des guten Omens: Wenn man am Anfang genug zu essen hat, wird es so bleiben. Das Wühlen der Tiere nach Genießbarem verleitet zum Schluss des Schätzefindens. In christlichen Sagen nimmt der Teufel die Gestalt des Tieres an (Im Markusevangelium 5,1 verbannt Jesus Dämonen in eine Schwerdeherde). Als Schweinepatrone gelten St. Valentin und der Einsiedler Antonius ("Fakentoni").

Redensarten reichen vom positiven "Schwein haben" (unverdientes Glück haben) bis zum groben Schimpfwort und dem zu überwindenden "inneren Schweinehund". Letzten erfand der deutsche Reichskanzler Kurt Schleicher (1882-1934), von dem der NS-Politiker Hermann Göring (1893-1946) den Ausdruck für "seine eigene Schwäche bekämpfen" übernahm.

Schweinefleisch als Nahrungsmittel

Die Statistik des Pro-Kopf-Verbrauchs (in kg) verschiedener Fleischsorten zeigt die Verschiebung vom Rind- zum Schweinefleisch. Erst der Anbau von Kartoffeln ermöglichte die Schweinemast in größerem Umfang. Der Markt Thaya im Waldviertel war im 19. Jahrhundert für die "Schweinebarone" bekannt. Die Viehhändler kauften große Herden in Ungarn und Serbien und trieben sie über Wiener Neustadt in das Weinviertel, Waldviertel bis nach Linz und Wels. Die bedeutendsten Händlerfamilien kauften wöchentlich 1200 bis 1600 Schweine, die sie durch 40 Verkäufer absetzen ließen. Der dadurch erworbene Wohlstand zeigt sich bis heute an den prächtigen, städtisch wirkenden Haustoren des Ortes.

Bild 'Schweinefleisch'

Der Schweinsbraten, auch Bratl genannt, zählt zum Kulinarischen Erbe Österreich. Das traditionelle Sonntags- und Festtagsgericht wird mit Salz, Pfeffer, Knoblauch und Kümmel gewürzt und gebraten, bis es eine knusprige Schwarte bekommt. In einigen ländlichen Gebieten wird Surbraten (gebeizt) oder Selchbraten genossen. Schweinsbraten ist mit Beilagen wie Semmelknödel, Erdäpfelknödel, Sauerkraut oder Krautsalat eine warme Hauptspeise, kalt ein Bestandteil der Brettljause. Im 14. Jahrhundert war Surbraten eine oberösterreichische Festtagsspeise. Im 17. Jahrhundert erhielten die Meierhofarbeiter zu Neujahr, Fasching, Ostern, Pfingsten und Weihnachten ein "schweinernes Bratl". Schweinsbraten war die klassische Festspeise an hohen Feiertagen, bei Hochzeiten und beim Leichenschmaus. Allgemein sollte man zu Neujahr Schweinernes essen, denn wer am Anfang Schwein hat, wird das ganze Jahr nicht hungern.


Quellen: 
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1936/1987. Bd. 7/Sp. 1474 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1992. Bd.3/S. 1441 f.

Kulinarisches Erbe