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Sommer- und Winterspiel#

Sommer_und_Winterspiel

In Österreich sind Sommer- und Winterspiele vor allem aus Kärnten, der Steiermark und Salzburg bekannt. 1812 veröffentlichte Philipp von End erstmals den Text einer „Verabschiedung des Winters“. Eine Gruppe wurde vom Sommer, die andere vom Winter angeführt. Der Bursche, der den Sommer spielte, trug einen mit Blumen und Federn geschmückten grünen Hut, weißes Hemd, rotes Halstuch, kurze, schwarze Lederhose mit breiten, grünen Hosenträgern, weiße Strümpfe und Halbschuhe. In der Hand hielt er eine lange, rote Stange mit einem Apfel aus rot und gelb bemaltem ölgetränktem Papier, in dem eine Kerze brannte. Sein Gefolge in gleicher Tracht trug Sensen, Sicheln und Heurechen. Der Winter hatte das Aussehen einen älteren Mannes, mit Stiefeln, langem Pelzmantel und großer Pelzmütze. „Die jungen Älpler, welche die Sache des Winters verfechten, haben ihre Winterkleider, Pelzröcke und Pelzkappen angezogen, und sind mit Ofengabeln, Dreschflegeln und einer Getreidewinde versehen.“ Die Gruppen stehen gegenüber, der Sommer lobt sich in höchsten Tönen, der Winter preist mit tiefer Stimme seine Vorzüge. Schließlich siegt der Sommer, der Winter zieht sich zurück. Wie beim Neujahrssingen entbietet der Sommer den Hausleuten Glückwünsche, die in der Ankündigung eines guten Jahres bestehen. Das Spiel endet versöhnlich. Die Winterpartei wird hereingerufen, ebenso wie der Sieger bewirtet und alle erhalten Eier, Kuchen und Geld. 

In der Umgebung von Hallein (Salzburg) zogen noch in der Zwischenkriegszeit Burschen als Sommer und Winter heischend durch die Siedlungen, um ihren Wettsteit in 40 Strophen darzubieten. In Golling hat eine Perchtengruppe, mit Masken nach musealen Vorlagen, in jüngster Zeit den Brauch wieder belebt. Der Zug wird von Fackelträgern, Musikanten und Kraxenträgern, die erscheischte Naturalien einsammeln, begleitet. Frau Percht eröffnet ihn und kehrt mit ihrem Besen den „Unreim“ (Unglück) aus dem Haus. Die Maskierten tanzen einen Reigen um Sommer und Winter, deren Wettstreit den Kern des Spieles bildet.


Quellen: 
Georg Graber: Volksleben in Kärnten. Graz 1941. S. 191
Leopold Schmidt: Das deutsche Volksschauspiel. Berlin 1954. S. 73
CD-ROM "Im Winter und zur Weihnachtszeit". (Hg. Lucia Luidold, Ulrike Kammerhofer-Aggermann) Salzburger Beiträge zur Volkskunde 13. Salzburg 2002

Bild: Johann Ranftl (1805-1854): Sommer- und Winterspiel, 1834