Sonne#

Sonne

Die Sonne (lat. Sol, gr. Helios) ist der Stern im Zentrum unseres Planetensystems, zu dessen Gesamtmasse sie 99,9 % beiträgt. Ihr Durchmesser beträgt 1,3925 Millionen km (109-facher Erddurchmesser), ihr durchschnittlicher Abstand von der Erde ungefähr 150 Millionen Kilometer. Viele wichtige Prozesse auf der Erdoberfläche, wie das Klima, sind von ihrer Strahlungsenergie abhängig. 99,98 % des Energiebeitrags zum Erdklima stammen von der Sonne. Von ihr hängt alles Leben auf der Erde ab. Dennoch ist die Sonne "nur" ein Stern unter Abermilliarden Sternen im Universum. 

Das antike Weltbild ging allgemein davon aus, dass die Erde den Mittelpunkt des Universums bilde. Diese Vorstellung, zusammengefasst von Ptolemäus (100-175), war bis zum Ende des Mittelalters ein Standard der Astronomie. Allerdings hatte schon Aristarchos von Samos (310-230 v. Chr.) ein heliozentrisches Weltbild vertreten. Nikolaus Kopernikus (1473-1543) schuf die mathematische Grundlage dafür, erst spätere Astronomen konnten das „kopernikanische Weltbild“ beweisen. 

Viele frühere Kulturen verehrten den - meist als männlich gedachten - Himmelskörper als Gottheit. (Sol invictus der Römer). Stätten wie Stonehenge (England) wurden errichtet, um die Position und den Lauf, besonders die Zeitpunkte der Sonnenwenden, zu bestimmen. Die Sonne rotiert in rund vier Wochen um die eigene Achse. Sie ist die natürliche Uhr der Menschen. Die Abfolge der Jahreszeiten führte zur Entwicklung des Kalenders. 

Populäre Vorstellungen und Märchen sehen "die liebe Sonne" - anders als den oft unheimlich gedachten Mond - positiv und helfend. Daher sollten Kranke beim Sonnenaufgang beten. Mit dem Sonnenuntergang begann eine gefürchtete Zeit, in der man sich nicht mehr im Freien aufhalten und die Arbeit beendet haben sollte. Die Mittagsstunde schien zum Schatzsuchen günstig. Orakel mithilfe der Sonne - besonders zu Mariae Lichtmess, wenn die Tage sichtbar länger werden, und an anderen Lostagen - beziehen sich meist auf das Wetter. Sonnenfinsternis galt als Unheil kündend. Am Ostermorgen beobachtete man die "Sprünge" der Sonne im Spiegel des Wassers und wollte daraus die Zukunft deuten. Sonnenschein am Hochzeitstag verheißt eine glückliche Ehe. Hauszeichen und Geschäftsschilder zeigen oft die Sonne. 

In 209 Bibelstellen kommt die Sonne vor. Als Vertreter des Monotheismus stellen sich die alttestamentlichen Autoren gegen die Meinung anderer Kulturen, die Gestirne seien Gottheiten. So heißt es über den König Joschija: "Auch setzte er die Götzenpriester ab, die … der Sonne, dem Mond, den Bildern des Tierkreises und dem ganzen Heer des Himmels geopfert hatten" (2 Kön 23,5).  Bekannt ist der Spruch aus dem Mitte des 3. vorchristlichen Jahrhunderts verfassten, König Salomo zugeschriebenen, Weisheitsbuch (Kohelet): "Es gibt nichts Neues unter der Sonne" (Koh 1,9).

Klassische Zitate sind weiters: "Geh mir aus der Sonne" (Diogenes zu Alexander dem Großen), "Wie Sonne und Mond" (großer Gegensatz, lateinisches Sprichwort), "Die Sonne bringt es an den Tag" (13. Jahrhundert, populär durch die Brüder Grimm) oder "Hab' Sonne im Herzen" (Gedicht 1899).


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S.745
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1937/1987. Bd. 8 / Sp. 31f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1992. Bd. 3 / S. 1488
Wikipedia: Sonne (Stand 13.8.2008).
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Bild: Gasthausschild "Zur Sonne", Krems (Niederösterreich). Foto: Alfred Wolf, 1941