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Sprichwort#

Das Wörterbuch der deutschen Volkskunde unterscheidet zwischen Sprichwort und Spruch: Das Sprichwort (um 1200) bezeichnet die mündliche Überlieferung, alltägliche Erfahrungen, während der Spruch etwas Feierliches an sich hat. Viele Sprichwörter, die aus der Antike stammen, wurden durch Predigten verbreitet: "Liebe macht blind" (Platon, 428-348 v. Chr.), "Arbeit schändet nicht" (Hesiod, um 700 v. Chr.), "Das Hemd ist näher als der Rock" (Plautus, 254-184 v. Chr.) Aus der Rechtssammlung Sachsenspiegel (um 1220) stammt: "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst". 

Sprichwortsammlungen bestanden seit der Antike. Bekannt ist jene, die der deutsche Chronist Sebastian Franck (1499 - 1542) im Jahr 1541 herausgab. Etwas später, 1559, setzte Pieter Breughel d.Ä. (1525-1569) hundert niederländische Sprichwörter ins Bild. Auch Sebastian Brants "Narrenschiff" (1494) illustriert damals bekannte Redensarten. Eine aktuelle Quelle für alte und neue Texte und deren Herkunft ist "Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten", das der deutsche Volkskundler und Erzählforscher Lutz Röhrich (1922-2006) 1992 in drei Bänden herausgegeben hat. 

Den Spruch definiert das Wörterbuch als "lehrhafte Dichtung", die oft nur aus zwei Zeilen besteht. Als Anwendungsgebiete werden Konfirmationssprüche, Haussegen, Gratulationen zu Geburtstag und Hochzeit, Heischesprüche zu Jahresfesten, Wetterregeln, Zauberformeln, Segen etc. genannt.
Quelle: Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 763 f.