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Stadt

Seit der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts (vor allem zwischen 1180 und 1270) entstand in Österreich - parallel zum agrarwirtschaftlichen Aufschwung - ein "Städtenetz von beträchtlicher Dichte", stellt der Wirtschaftshistoriker Roman Sandgruber fest. Die Zahl der österreichischen Städte stieg von 23 im Jahr 1200 auf 71 (1300) und 87 (1500). Das älteste erhaltene Stadtrecht besitzt Enns (Oberösterreich) aus dem Jahr 1212. Städte waren Zentren der herrschaftlichen Verwaltung, Maut- und Zollstellen, Münzstätten und hatten eine Reihe von Privilegien, wie Markt-, Handels- Niederlags- und Stapelrechte. Die vorwiegend ebenerdigen Bürgerhäuser bestanden zum größten Teil aus Holz, auch in Wiener Quellen wird anfangs ausdrücklich betont, wenn es sich um ein gemauertes Haus handelte. Ihre Anzahl nahm nach 1200 zu, als die mit dem Bau der Stadtmauer beschäftigten Maurer auch Steinhäuser errichteten. 

Kaiser Karl V. (1500-1558) wird das geflügelte Wort "Portae, pulsus, pueri" (Tore, Schlaguhren, Schüler) zugeschrieben, das die Merkmale einer Stadt zusammenfasst. Die spätmittelalterliche Stadt bot ihren Bürgern zwar ungleich mehr Freiheiten als das Dorf, doch bestanden innerhalb der Bewohner große soziale und rechtliche Unterschiede. In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts lebten in Wien: 20 % Handwerker, 16 % Taglöhner und Dienstboten, je 12 % Adelige, Bürger und Gesellen, je 8 % Universitätsangehörige, Geistliche und Arme, je 2 % Juden und selbständig erwerbstätige Frauen. 

Die Einwohnerzahl der Städte lag zwischen 200 und 5.000, nur Wien ragte mit 20.000 Personen in 1.200 Häusern in der Innenstadt und 1.000 in den Vorstädten heraus. Dank des Silberbergbaus zählte Schwaz (Tirol) um 1500 bis zu 20.000 Bewohner. 

Derzeit gibt es weltweit 300 Millionenstädte. An der Spitze stehen Mexiko City mit 19,982.000, Shanghai (China) mit 19,210.000 und Peking (China) mit 15.796.000 Bewohnern. Wien (1,712.900 Einwohner) liegt an 139. Stelle der Statistik.

Von der Volkskunde wurde die Stadt lange Zeit gering geschätzt: "Die Stadt, das ist alles eine verdünnte Masse. Alle Farben kommen in einen Topf, bis es gar keine Farbe mehr ist." (K. Iida), "Auf Asphaltplatten und Katzenkopfpflastern wächst Brauchtum nicht. Der Industriearbeiter hat es völlig verloren." (Hanns Koren). Leopold Schmidt (1912-1981) war der erste, der 1935 eine Großstadtvolkskunde schrieb. Seine 128-seitige "Wiener Volkskunde. Ein Aufriß" erschien 1940. 1958/59 folgte eine zweibändige "Volkskunde der Stadt Linz", verfasst von Hans Commenda (1889-1971). Helmut Paul Fielhauer (1937-1987) erforschte die Wiener Alltags-und Arbeiterkultur.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 766 f.
Hanns Koren: Volksbrauch im Kirchenjahr. Salzburg 1934. S 18
Roman Sandgruber: Ökonomie und Politik. Wien 1995. S. 27 f., 64 f.
Wikipedia, 7.8.2013

Bild: Matthaeus Merian: Vienna Austriae, 1649