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Wien 15 - Rudolfsheim-Fünfhaus #

Der Westbahnhof in Wien. Photographie, 1947.
Der Westbahnhof in Wien. Photographie, 1947.
© IMAGNO/Franz Hubmann

Der 15. grenzt an den 6., 7., 12., 13., 14. und 16. Bezirk. 2015 hat die Rudolfsheim-Fünfhaus eine Fläche von 391,8 ha und 76.320 BewohnerInnen.

Rudolfsheim - benannt nach dem damals fünfjährigen Erzherzog - entstand 1863 durch Vereinigung der Gemeinden Braunhirschengrund, Reindorf und Rustendorf. Diese waren - nach dem Bau der Westbahn mit ihrem Bahnhof - so stark gewachsen, dass ihre Verbauung nahtlos ineinander griff. Sie konnten aber die technische Infrastruktur, besonders Wasserversorgung und Kanalisation, allein nicht bewältigen. 1890/92 wurde Rudolfsheim mit Sechshaus zum damaligen 16. Bezirk zusammengeschlossen. Seit 1957 heißt der nun 15. Wiener Gemeindebezirk Rudolfsheim-Fünfhaus.

In Rudolfsheim war die Holz verarbeitende Industrie besonders stark vertreten, doch siedelten sich auch Betriebe anderer Branchen an. 1869 entstand durch die Parzellierung der Ackergründe zwischen Westbahn und Hütteldorfer Straße der Ortsteil Neu-Rudolfsheim. Bis ins 18. Jahrhundert lebten die (wenigen) Bewohner von der Landwirtschaft, dann siedelten sich Handwerker und 1783 das erste Großunternehmen, eine Gewehrfabrik, an. Nachdem Kaiser Franz I. Industrieansiedlungen außerhalb des Linienwalls förderte, wirkte sich dies hier, verstärkt durch den Bau der Westbahn, besonders aus.

Im 19. Jahrhundert entstanden Einkehrgasthöfe und Vergnügungslokale wie Schwenders Kolosseum (Reindorfgasse). Dieses war 1835 ein Kaffeehaus und entwickelte sich bis 1898 zum riesigen Unterhaltungszentrum. Das Unternehmen florierte und wurde ständig erweitert, auch Hotel, Wintergarten, Konditorei, Theater, Varieté und luxuriös ausgestattete Ballsäle gehörten zu dem riesigen Komplex. Bald war "der Schwender" das beliebteste Balllokal der Kaiserstadt. Berühmt waren nicht nur seine Faschingsveranstaltungen, sondern auch die kulinarischen Prachtstücke beim Heringsschmaus. Für den Transport der Gäste betrieb Schwender ein eigenes Fuhrunternehmen. Seit 1847 war die "Schmelz" ein Areal zur Abhaltung militärischer Paraden und Übungen. Alljährlich fand dort Anfang Juni vor dem Kaiser die Frühjahrsparade statt.

Quellen:
Wien in Zahlen, 2015
Helga Maria Wolf: Sehnsucht nach dem Alten Wien. Wien 2014
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien