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Straßen, historische#

Bild 'Straßen'

Für die Beförderung von Personen und Gütern zu Lande konnte das mittelalterliche Straßennetz die Reste der römischen Verkehrswege nützen. Am wichtigsten waren Brücken, die erhalten oder neu gebaut wurden. Daran gelegene Orte erlangten große Bedeutung wie Bruck an der Mur, Bruck an der Leitha (urk. 1074), Innsbruck (urk. 1187) oder Vöcklabruck (urk. 1134). Die Alpenübergänge wurden zu Fuß oder mit Saumtieren (weniger mit Wagen) bewältigt. Die beiden großen Tiroler Nord-Süd-Verbindungen waren der Obere Weg der von Augsburg über den Fern- und Reschenpass nach Meran und Bozen führte, und der Untere Weg; auf dem man aus Augsburg nach Innsbruck und über den Brenner durch das Pustertal nach Venedig gelangte.

Von Litauen über Russland, Polen, Tschechien, die Slowakei, Österreich, Ungarn und Slowenien führte zur Römerzeit die - erst im 19. Jahrhundert so genannte und heute touristisch vermarktete - Bernsteinstraße nach Aquilea (Italien), dem Zentrum der Bernsteinverarbeitung. Sie folgte der Nord-Süd-Handelsroute, die seit der Kupferzeit (vor 7000 Jahren, zwischen Jungsteinzeit und Bronzezeit) die Nord- und Ostsee mit dem Mittelmeer verband. Die Römer bauten den Handelsweg aus. Sie beförderten Luxusgüter ebenso wie Eisenerz aus dem keltischen Bergbaugebiet. Das römische Straßensystem umfasste rund 100.000 km Haupt- und 200.000 km Nebenstraßen. Es wurde von Geometern trassiert, von Soldaten gebaut und vom Staat bzw. privaten Grundbesitzern in Stand gehalten. Auch im unwegsamen Gelände waren die Straßen schnurgerade, möglichst ohne Höhenunterschiede gebaut. Im Abstand einer Meile (1,5 km) zeigten bis zu 3 m hohe Säulen die Entfernung zur nächsten Stadt an. Landkarten informierten nicht nur über den Verlauf, sondern auch über Rasthäuser (Tagesreise ca. 37 km), Pferdewechselstationen (alle 8 bis 18 km) und Tempel. Mit fünf bis achtmaligem Pferdewechsel konnte ein kaiserlicher Kurier 71 bis 88 km täglich zurücklegen. Ein Soldat mit Marschgepäck (20 bis 30 kg) schaffte 30 bis 36 km. Die berühmte Landkarte "Tabula Peutingeriana" aus der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts (um 375) ist eine grafische Darstellung der damals bekannten Welt, in der die Straßen als Verbindungslinien zwischen einzelnen Etappenorten eingetragen sind. Die Kopie aus dem 12. Jahrhundert in der Österreichischen Nationalbibliothek zählt zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.