Tür#

Tuer

Wie die Schwelle eines Hauses sind Tür (kleiner) und Tor (größer, für Fahrzeuge und Tiere) für alles Aus- und Eingehen von Bedeutung, vom Eintreten der Braut bis zum Hinaustragen des Sarges. An der Tür begann der Frieden des Hauses. Zierat diente der Dekoration, manchmal wohl auch dem Abhalten des Bösen. Als brauchtümliches apotropäisches Zeichen dient das Dreikönigsmonogramm, das mit der Jahreszahl mit geweihter Kreide an die Türen geschrieben wird. 

In Rechtsbräuchen spielte die Tür eine Rolle. Die Besitzergreifung oder Übergabe eines Hauses geschah durch das Erfassen der Tür (womit die Schlüsselübergabe zusammenhängt). Dem Missetäter blieb die Tür versperrt, er musste einen anderen Ausgang suchen (interdictio portae). Der Priester erwartete das Brautpaar beim Brauttor der Kirche, das Paar durfte erst nach Beantwortung seiner Fragen eintreten. 

Auch in Redensarten kommen Tür und Tor vor, wie "mit der Tür ins Haus fallen" (ein Anliegen ungeschickt vorbringen). Die "offene Tür" findet sich schon in der Bibel ("Als ich dann nach Troas kam, um das Evangelium Christi zu verkünden, und mir der Herr eine Tür öffnete…" 2 Kor 2,12). 1899 wurden die amerikanischen Botschafter aus wirtschaftlichen Gründen aufgefordert, China eine "offene Tür" zu sichern, seither ist die "Politik der offenen Tür" sprichwörtlich. Viele Institutionen veranstalten "Tage der offenen Tür". Weitere bekannte Wendungen sind: "Offene Türen einrennen" (vergebliche Mühe), "jemandem eine Tür öffnen", "sich eine Türe offen halten", "einer Sache Tür und Tor öffnen" (ungehinderten Eingang verschaffen), "hinter verschlossenen Türen" (geheim), "vor verschlossenen Türen stehen" (keine Unterstürzung finden), "jemandem die Tür weisen" (ihn schimpflich fortgehen heißen), "Türklinken putzen" (betteln), "vor der eigenen Tür kehren" (zunächst eigene Angelegenheiten in Ordnung bringen), "zwischen Tür und Angel" (in Eile), "dreinschauen wie der Ochs vor dem neuen Tor" (überrascht).


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S.839 f.
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1937/1987. Bd. 8 / Sp. 1185 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1992. Bd. 3 / S. 1649 f

Bild: Tür mit geschmiedetem Schloss. Foto: Alfred Wolf