Tabak#

Tabakspfeife

Tabak (Nicotiana), eine Pflanzengattung aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), kam mit der Entdeckung Amerikas nach Europa. Jean Nicot (1530-1604), französischer Gesandter in Portugal, förderte den Anbau als Heilpflanze. Von seinem Namen wurden die Bezeichnungen der Gattung und des Inhaltsstoffes Nikotin abgeleitet. 

In Österreich war Tabak als Zierpflanze seit den 1570er- Jahren bekannt. Als Genussmitttel wurde das "Soldatenkraut" im 30-jährigen Krieg (1618-1648) populär. Man verwendete den billigeren Kautabak, Schnupftabak (der sogar in Klöstern erlaubt war) und rauchte Pfeifen. In Wien bestanden wegen der Feuergefahr und aus gesellschaftlichen Gründen zahlreiche Rauchverbote. Die Revolution 1848 machte die "Rauchfreiheit" zum politischen Thema. Erst Kaiser Franz Joseph (1830-1916), der selbst Virginier rauchte, erlaubte es bei Hof. Ab 1811 genossen die Herren der Oberschicht Zigarren. Im Vormärz galten diese als Zeichen bürgerlich-revolutionärer Gesinnung, danach als Zeichen behäbiger und kapitalistischer Lebensart. Sozialdemokratische (Pfeifen-) Raucherklubs entstanden in den 1870er- Jahren als Vorwand für politische Zusammenkünfte. Zigaretten (einst von mexikanischen Tabakarbeiterinnen aus Abfällen hergestellt) wurden in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts modern, der erste Zigarettenautomat stand 1899 in Wien. 

Ob und was, und wer was rauchte, änderte sich. Immer gab die Oberschicht das Vorbild ab, sinkende Preise erschlossen weitere Kreise. Das Tabakmonopol bildete eine wichtige Einnahmequelle des Staates. Er betrieb in Wien (3. und 9., später 16. Bezirk) zwei "Tabakhauptfabriken". Den Verkauf der Rauchwaren besorgten Tabak-Trafiken, deren Vergabe nach sozialen Gesichtspunkten (z.B. an Invalide) erfolgte. Die österreichische Tabakregie wurde 1784 als Staatsunternehmen gegründet. 1997 erfolgte die Teilprivatisierung über die Wiener Börse, 2001 die Vollprivatisierung. Seit 2007 gehört "Austria Tabak" zu Japan Tobacco International (JTI), einem in 80 Ländern tätigen Unternehmen. 

Seit 2009 gilt in Österreich ein Rauchverbot in Gaststätten. Nach dem Gesetz ist das Rauchverbot die Regel, die Ermöglichung der Errichtung eines Raucherraums, in dem das Rauchen gestattet ist, die Ausnahme. Demnach müssen Gäste vor dem Betreten des Lokals bzw. des Gastraums durch entsprechende Hinweisschilder aufmerksam gemacht werden, ob in einem Gastraum geraucht werden darf.

Bild 'Tabak1'
Bild 'Tabak2'

Fotos: Doris Wolf 2012/13


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 790 f.
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1997. Bd. 5/S. 409 f.

Bild oben: Tabakspfeife der Ledererzunft, aus altem Hirschhorn geschnitzt, zum gemeinsamen Rauchen von 25 Personen. Sie war 1810-1830 im Wirtshaus "Zur großen Tabakspfeife", Wien 1, Goldschmiedgasse 9 in Gebrauch. Aus: Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze Wiens. Wien 1883. S. 462

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