Taufe#

Schubert-Taufkapelle
Schubert-Taufkapelle

Die Taufe, das eingliedernde Ritual der Reinigung und Geisterfüllung, ist in der katholischen und in der evangelischen Kirche ein Sakrament. Es wird als so grundlegend betrachtet, dass in Notfällen jeder die Taufe spenden darf. Die Erlaubnis spielte in früheren Zeiten bei den Hebammen eine Rolle. Das Rituale Viennense des Kardinals Migazzi (1774) enthält als einzigen deutschsprachigen Text eine komplizierte "Unterweisung" für diesen Fall. Oft brachten Eltern die toten Neugeborenen in einen Wallfahrtsort und legten sie in der Hoffnung auf einen Altar, dass sie ein Lebenszeichen von sich geben ("Kinderzeichen"), um sie rasch taufen zu lassen. 

Bei der Kindertaufe spielen die Paten eine wichtige Rolle, die an Stelle des Täuflings die Antworten beim Glaubensbekenntnis geben. Dadurch entsteht eine "geistliche Verwandtschaft" die sich durch besondere Verbundenheit äußert. Die wichtigsten Handlungen der Zermonie sind jetzt: Übergießen des Kopfes mit geweihtem Wasser, Salbung mit Chrisam, Überreichung des weißen Kleides, Entzünden der Taufkerze am Osterlicht. Zur Erinnerung erhielten die Kinder von den Taufpaten Münzen, Medaillen, Schmuckstücke (z.B. Medaillon mit Schutzengel), Taufbriefe, Essbesteck usw.

Taufbecken in Döbling-St. Paul, Foto: Doris Wolf
Taufbecken in Döbling-St. Paul, Foto: Doris Wolf

Ursprünglich war die Osternacht der Termin der Initiationsfeier. Anfangs wurden nur erwachsene Katechumenen getauft, mit zunehmender Ausbreitung des Christentums auch Kinder. Leiter der Feier war der Bischof, unterstützt von Presbytern und Diakonen. In einem Text aus dem 3. Jahrhundert ist von einem drei Jahre dauernden Unterricht über Glaubensinhalte (Katechumenat) die Rede. Die Taufliturgie umfasste Exorzismus, Salbung, Glaubensbekenntnis, Übergießen mit Wasser (oder Untertauchen), Handauflegung, zweite Salbung, Friedenskuss und Eucharistiefeier. In der Pfarre Döbling, Wien 19, befindet sich ein Taufbecken, das von den altchristlichen Baptisterien inspiriert ist. Der Täufling steigt einige Stufen hinunter, wo das Sakrament durch Untertauchen gespendet wird. Das Becken ist mit einem Gitter gesichert, das zu Ostern geschmückt wird.


Der Kirchenvater Ambrosius (um 339-397) berichtete, dass die neu getauften Erwachsenen mit brennenden Kerzen in die Versammlung der Gemeinde einzogen. Die persönliche Taufkerze ist zumeist besonders verziert. Das weiße Taufkleid ist ebenfalls schon aus dem 4. Jahrhundert bekannt. Es wurde nach dem Taufbad und der Chrisamsalbung angelegt und in der Osteroktav bis zum Weißen Sonntag getragen. Die Weihe des Taufwassers in der Osternacht ist ebenfalls seit frühchristlicher Zeit bezeugt.


Quellen: 
Rupert Berger: Neues Pastoralliturgisches Handlexikon. Freiburg/Br. 1999. S. 498 f.
Rudolf Fochler - Anneliese Ratzenböck: Lebensbräuche. Linz 1991. S. 53 f.
Rituale Viennense… Wien 1774. S. 419 f.
Herbert Vorgrimler: Neues Theologisches Wörterbuch. Freiburg/Br. 2000. S. 609

Bild oben: Aus: Entstehen und Werden der Liechtentaler Pfarrkirche ... Hg. Oskar Hinterberger, Wien 1931