Uhr#

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Die ältesten Zeitmesser funktionierten mit Hilfe der Sonne oder des Wassers. Die Ägypter verwendeten vermutlich ab dem 3. vorchristlichen Jahrtausend Sonnenuhren und seit dem 14. vorchristlichen Jahrhundert Wasseruhren - seit dem 2. vorchristlichen Jahrhundert mit Zifferblatt und Zeiger. In Europa waren Sand- und Kerzenuhren (ab 900 n. Chr.) bekannt. Um 1280 gab es Räderuhren in englischen Klöstern, um das Stundengebet anzukündigen.

Die erste urkundliche Erwähnung einer mechanischen Uhr datiert aus dem Jahr 1335 in Mailand. Ende des 14. Jahrhunderts ließen die Städte allgemein sichtbare Räderuhren anbringen. Im 16. Jahrhundert zählten Uhren zu den Merkmalen einer Stadt: "Portae, pulsus, pueri" (Tore, Schlaguhren, Schüler). 1510 konstruierte der Schlossermeister Peter Henlein (1479-1542) das "Nürnberger Ei" als Taschenuhr. Danach ermöglichte die handwerkliche Serienfertigung den Privatbesitz von Wand-, Tisch- und Taschenuhren. 

Armbanduhren kamen um 1900 zuerst für Damen auf, Herren blieben noch länger bei der traditionellen Taschenuhr. Automatische Uhren gibt es seit 1923, Quarzuhren seit 1927. Um der Konkurrenz der traditionsreichen Schweizer Uhrenindustrie durch asiatische Billigprodukte zu begegnen, wurde 1983 "Swatch" angekündigt. Die bunten Zweituhren (second watch) entwickelten sich in kürzester Zeit zum Sammel- und Kultobjekt, und der Industriezweig war gerettet. Die erste Million war in einem Jahr produziert, 2006 feierte man die 333millionste Swatch. 

Wegen ihrer Kostbarkeit war die "goldene Uhr" früher "das" Geschenk bei der Firmung. Auch zu Jubiläen und bei Verdiensten wurde sie überreicht. Weit verbreitet war der Brauch, Stubenuhren anzuhalten, wenn jemand starb. Andererseits galt unvermitteltes Stehenbleiben der Uhr als böses Omen. 

Eine Wiener Sehenswürdigkeit ist die "Ankeruhr" aus den Jahren 1912-14. Im historischen Gebäude Schulhof 2 besteht seit 1921 das Uhrenmuseum als Außenstelle des Wienmuseums. Schauräume in drei Stockwerken belegen die Entwicklung der Zeitmesser seit dem 15. Jahrhundert. Darunter sind attraktive und seltene Objekte wie Bilderuhren mit versteckten Zifferblättern, eine astronomische Kunstuhr aus dem 18. Jahrhundert, Kommodenstanduhren mit reichem figuralem Schmuck aus Biedermeier und Gründerzeit.

Das Buch über die Uhren in Wien Die synchronisierte StadtÖffentliche Uhren und Zeitwahrnehmung, Wien 1850 bis heutePeter PayerVerlag HolzhausenWien2015jetzt im Buch blättern


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S.842 f.
Wikipedia:Uhr (Stand 11.5.2009)
Wikipedia:Swatch (Stand: 17.8.2008)
Wienmuseum

Bild: Kunstuhr auf dem Hohen Markt in Wien 1 von Franz Matsch. Foto: Alfred Wolf, 2007