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Valentinstag#

Plakat Blumen Mark, Wien 2013, Foto: Doris Wolf
Plakat Blumen Mark, Wien 2013, Foto: Doris Wolf

Der Valentinstag am 14. Februar wird mit den beiden Heiligen Valentin von Terni und Valentin von Rom in Verbindung gebracht. Als neuer Brauch erhält er alljährlich neue Ursprungslegenden. So wird von einem Mönch Valentin erzählt, der ein blindes Mädchen heilte und Menschen, die bei ihm Hilfe und Trost suchten, Blumen aus seinem Garten schenkte. Er soll verbotener Weise Paare nach christlichem Ritus getraut haben und deshalb enthauptet worden sein. Auf dem Weg zur Hinrichtung hätte er sich von der freundlichen Tochter des Kerkermeisters mit einem Blumengruß und den Worten "Von deinem Valentin" verabschiedet. Wie bei vielen anderen Heiligen gilt: Je weniger man über sie weiß, umso üppiger blühen die Legenden.

Liebesgaben zum Valentinstag waren im späten Mittelalter in Frankreich, Belgien und England bekannt. An Fürstenhöfen und in Städten wurden junge Paare durch das Los bestimmt. Valentin und Valentine tauschten Geschenke aus und galten ein Jahr lang als Verlobte. Um 1600 ließ William Shakespeare in seiner Tragödie "Hamlet" die Ophelia sagen: "Morgen ist Sankt Valentins Tag, wohl an der Zeit noch früh. Und ich, eine Maid am Fensterschlag, will sein eure Valentine." Vermutlich brachten englische Auswanderer den Valentinsbrauch in die Vereinigten Staaten. In Japan beschenken am 14. Februar Frauen die Männer mit Schokolade. Diese revanchieren am 14. März, dem "White Day" mit weißer Schokolade.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Valentinsbrauch durch US-Soldaten nach Westdeutschland. 1947 führte "Fleurop" den Blumentag ein, der mitten im kalten Winter für Umsatzsteigerungen sorgt. In Deutschland bemühte sich ein eigenes Komitee seit den 1950er- Jahren um Werbemaßnahmen. Unter dem Motto "Seid nett zueinander" sollte man den "Tag der Freundschaft" feiern. Die Floristen beschenkten Honoratioren mit Blumen, veranstalteten Valentinsbälle und Wohltätigkeitsaktionen. Auch die bekannten roten Herzen auf den Blumensträußen kamen damals auf. Alljährlich berichtete das Branchenblatt über Reaktionen in verschiedenen Regionen Deutschlands, doch erst 1973 konnte es sich freuen, dass der Valentinstag endlich "den Durchbruch geschafft" hat.

Foto: Doris Wolf, 2014
Foto: Doris Wolf, 2014

Auch in Österreich entdeckte man den Blumenpatron Valentin als mystische Bezugsperson für weltliche Bräuche in den Wiederaufbau- und Wirtschaftswunderjahren. Zunehmend profitieren aber auch andere Branchen bzw. Haustiere (mit dem "Valentiersag") davon. 70 % nehmen den Schenktag wahr. Bei der im Frühjahr 2016 durchgeführten IMAS-Umfrage "Traditionen und Bräuche" (Archiv Nr. 016041) gaben 79 % an, den Valentinstag zu kennen und 46 %, selbst zu feiern. 2017 schätzt der österreichische Handelsverband die Einnahmen auf 120 Mio. €, besonders die unter 30-Jährigen sind bereit, für ihre/n Liebste/n Geld auszugeben. Geschätzt werden durchschnittliche Ausgaben von 40 €, das wären 10 € mehr als im Vorjahr.

2017 hat Radio Wien eine "Hitparade der Valentinsblumen" zusammengestellt. Unangefochten an der Spitze stehen Primelstöckchen mit gelben und orangen Blüten, Topfnarzissen, Orchideen und Hyazinthen. Bei den Schnittblumen sind Narzissen und Tulpen besonders beeliebt, gefolgt von Rosen, Gerbera und Mimosen. Pastelltöne und Vintange-Elemente lagen im Trend. Österreichweit waren 20 Millionen Schnittblumen und 12 Millionen Topfpflanzen im Handel.
Die Wiener Gärtner und Floristen verkaufen zum "Saisonauftakt" viermal mehr als normal. Allein hier werden 6,7 Millionen Blumen verschenkt. Im Burgenland reichen die Pro-Kopf-Ausgaben nicht an den Muttertag heran, bringen den Floristen aber durchschnittlich 25 €. Steirische Gärtner und Blumenhändler machen am 14. Februar 1,5 % ihres Jahresumsatzes.

Wenn Blumen auch den Großteil der Gaben ausmachen (57%), naschen doch auch andere Branchen kräftig mit (Schokolade 36 %). Brot und Käse wird in Herzform angeboten, Inserate bewerben Waren aller Art für die Liebenden. Tierliebhaber finden am "Valentierstag" Angebote für Katzen und Hunde. Als "skurrile Geschenke" empfiehlt eine Gratiszeitung: "Persönliche Sternschnuppe" (39,35 €), eine herzförmige Karibik-Insel (6,9 Mio. €)oder die Benennung einer Biene nach der Freundin (100 €). Der Handelsverband schätzt, dass zwei Drittel der Österreicher "die Kassen klingeln lassen."

Obwohl die Kirche den - 469 von Papst Gelasius I. 469 eingeführten - Gedenktag 1969 aus dem römischen Generalkalender gestrichen hat, veranstaltet sie Valentinsbräuche. Radio Vatikan hat in den 1990-er Jahren zur Wallfahrt nach Terni aufgerufen. In der Erzdiözese Wien wurden 2015 zum 10. und letzten Mal "100.000 Liebesbriefe von Gott" verteilt. "Liebesboten" aus über 150 Pfarren und kirchlichen Gruppen übergaben die Briefe an Passanten oder bei Hausbesuchen. 30 Kirchen in der Stadt hatten wieder zur "Begegnung mit Gott" eingeladen. Im Stephansdom fand am Valentinstag eine "Segnung der Liebenden" statt.

In China hat der Valentinstag 2009 sein Gegenstück im „Tag des Singles“ gefunden. Er sollte die Unverheirateten trösten. Seither ist der Tag ist zum größten Einkaufstag der Welt geworden und hat den „Cyber Monday“ in den USA abgelöst. Bei diesem wurden 2014 Waren im Wert von über zwei Milliarden Dollar (1,9 Mrd. Euro) verkauft. Dem chinesischen Onlinehändler Alibaba bescherte der Singles-Tag am 11.11.2015 Rekordeinnahmen. Schon in den ersten zwölf Stunden gaben Kunden umgerechnet 8,35 Mrd. Euro auf der zu Alibaba gehörenden Handelsplattform Tmall aus.

In Pakistan darf der Valentinstag nicht in der Öffentlichkeit gefeiert werden, den Massenmedien ist Werbung dafür verboten. Die Regierung bezeichnet den Tag als unislamisch und propagiert statt dessen einen "Bescheidenheitstag". Dennoch stehen in den Städte Blumenstände mit roten Sträußen und herzförmigen Gebinden, meldete ORF.at am 13.2.2017.


Quellen:
Helga Maria Wolf: Das BrauchBuch. Wien 1990
Papst
China vom 11.11.2015
2017
"Österreich", 8., 9.und 13.2.2017


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