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Walpurgisnacht#

Spätestens seit Goethes "Faust" ist die Walpurgisnacht als "Hexennacht" bekannt. Aber nicht die Hexen waren schuld an der Unruhe, die in der Nacht vor dem 1. Mai in den Dörfern ausbrach, sondern Burschen, die Rügebräuche ausführen. Missliebigen Frauen setzten sie dürre Äste mit Strohbändern als Schandmai vor das Fenster oder streuten ihnen Häcksel vor das Tor. Bauern fanden ihre Geräte auf Dächern und Bäumen. Der Termin könnte auf das Fränkische Recht zurückgehen, wobei vereidigte vertrauenswürdige Männer, die Pflicht hatten, Normverstöße gegen "Herkommen und Sitte" anzuzeigen und zu öffentlich rügen. Für die außergerichtliche Konfliktaustragung war die Nacht vor dem 1. Mai vorgesehen.

Im Weinviertel (Niederöstereich) ist in den letzten Jahrzehnten der Maistrich wieder sehr beliebt. Zwischen den Häusern unverheirater Paare werden - oft kilometerlange - Kalkspuren gezogen, bei den Frauen Sprüche oder Herzen auf den Gehsteig gemalt. Ihnen bleibt die unangenehme Aufgabe, die Spuren möglichst schnell zu beseitigen.

Im Flach- und Tennengau (Salzburg) gehen Rügebräuche unter dem Namen "Philippeln" vor sich. Der Apostel Philippus mit dem Gedenktag Anfang Mai wird für Treue und Ordnung verantwortlich gemacht. In seinem Namen verstecken Burschen alles, was nicht gut verwahrt ist oder stellen es auf dem Dorfplatz zur Schau.

Angehörige neuheidnischer Religionen feiern um diese Zeit "Beltane" (Frühlingserwachen). "Die oftmals in der keltischen (esoterischen) Literatur genannte Durchführung jahreszeitlicher Feste, wie die Beltane (in der Nacht zum 1. Mai), lässt sich im archäologischen, d.h. wissenschaftlich überprüfbaren Material der Eisenzeit nicht belegen." (Otto H. Urban) 

In Rust (Burgenland) treffen sich die Männer des Gesangsvereins um Mitternacht im Sängerheim und marschieren mit Ziehharmonika-Begleitung durch den Ort. An fünf bis sechs Stationen singen sie Trink- und Mailieder und werden mit einem Imbiß bewirtet. 


Quellen: Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 89