Weben#

Bild 'Weben_gr'

Als Weben bezeichnet man das rechtwinkelige Kreuzen und Verbinden von längs laufenden (Kette) und quer laufenden Fäden (Schuss) zur Herstellung flacher Gebilde. Der Unterschied zum Flechten ist die Bildung eines Faches am Webkamm, -rahmen oder -stuhl, durch das man das Schiffchen mit dem Faden zieht. 

Die drei Grundformen sind: 

  • Leinenbindung - Schuss und Kette ergeben ein einfaches Schachbrettmuster. Bei Wolle heißt das Gewebe Tuch, bei Baumwolle Kattun, bei Seide Taft. Die Leinenbindung ist seit dem 6. vorchristlichen Jahrtausend bezeugt.
  • Köperbindung - Zwei oder mehrere Kettfäden liegen auf einem Schussfaden (oder umgekehrt). Köper wird seit der Bronzezeit für Wollgewebe verwendet. Dadurch lassen sich verschiedene Muster erzielen. Wolle in Köperbindung begünstigt die Verfilzung beim Walken.
  • Atlasbindung - Beim Atlas liegt viermal die Kette (bzw. der Schuss) oben, wodurch eine Glanzwirkung entsteht. Die Atlasbindung kam vermutlich mit der Seidenweberei aus dem Orient im Mittelalter nach Europa. 

Die prähistorische Form des Webstuhls ist die senkrechte, wobei die Kettfäden, unten mit Steinen beschwert, von einem Querholz herunterhängen. Beim liegenden Webstuhl läuft die Kette waagrecht vom Kettbaum zum Warenbaum. In der Mitte liegt das Webgatter für die Fachbildung. Die Webspule führt den Schussfaden durch das Fach. Der Webkamm klopft den Faden an das vorhandene Gewebe an. Muster entstehen durch wechselnde Kett- und Schussfäden. Die einfachen Webstühle für Heimarbeit (z.B. im Waldviertel, dem "Bandlkramerlandl") wurden von ländlichen Zimmerleuten, Tischlern und Drechslern hergestellt.

Die Mechanisierung der Weberei stand am Beginn der industriellen Revolution und führte zu sozialen Aufständen. 1785 erfand der Engländer Edmond Cartwright den vollmechanisierten Webstuhl (Power Loom), den zwanzig Jahre später Joseph-Marie Jacquard aus Lyon entscheidend verbesserte. Die erste dampfbetriebene Webmaschine wurde im mittelenglischen Bradford Ende des 19. Jahrhunderts eingesetzt.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S.940 f
Wikipedia: Webstuhl

Bilder: Gewebter Teppich (Kelim). Foto: Helga Maria Wolf