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Weichselwein#

Wiener Gewürzkrämer bereiteten das Getränk aus Wein, Sirup von Kirschen (Weichseln) und Gewürzen zu. Als Zeichen des Verkaufs zierten sie ihre Gewölbe mit Girlanden und Goldpapierstreifen. Auch ungarische Weinhändler schenkten Weichselwein aus. Neben dem Fokanedisteg (beim Theater an der Wien) befand sich um 1770 ein ummauerter Weichselgarten mit Ausschank. Ein Dichter des nahe gelegenen Theaters reimte: "Geht mit mir alle zum Weichselwein, dort wollen wir singen und fröhlich sein."

Ein Grazer Kochbuch aus dem Jahr 1818 beschreibt die Zubereitung: "Nimm schöne saftige Weichseln, zupfe die Stengel an, stoße sie samt den Körnern klein, seihe sie durch ein grobes Tuch, laß den Saft in einen wollenen Sack laufen, daß er klar wird zerschlage auf ein Maß solchen Saftes zwey Pfund Zucker brockenweis und lege ihn darauf, laß ihn über Nacht in einem weiten Einmachglas stehen und rühre ihn auf, bis der Zucker zergangen ist, zerstoße zwei Loth Zimmet und ein Loth Gewürznägerl gröblich, rühre es im Saft untereinander, verbinde das Glas gut mit einer Blase, laß es fast drei Wochen in der Sonne stehen, nachdem aber kann man ihn hinstellen wo man will. Wenn man einen Weichselwein trinken will, so kann man auf ein Maß weißen Wein ein Maß Saft nehmen, denn er ist mit dem weißen Wein viel besser gemischt als mit dem rothen."


Quellen:
Gustav Gugitz: Das Jahr und seine Feste im Volksbrauch Österreichs. Wien 1950 (2 Bände), II/290 f.
Leopold Schmidt: Volkskunde von Niederösterreich, Horn 1966-1972, II/221 f.