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Weinhüter#

Hueterkrone

Seine Aufgabe war das Bewachen der Weinberge zur Zeit der Traubenreife. Die Kremser Weinhauer wählten schon 1340 einen "Hueter". Der Dienst der Weinhüter begann zu Jakobi (25. Juli) oder Laurenzi (10. August) und endete, wenn drei Viertel der Weingärten abgelesen waren. Pistolenschüsse markierten den Beginn, wenn die Weingärten geschlossen wurden (Weingartenschluss) und das Ende (Gebirgsaufschießen) der Hütezeit. Die Bewacher trugen Hacken (Hiatahackl) oder Spieße als Waffen, Rechts- und Würdezeichen. Auch Stöcke, Peitschen, Säbel und Pistolen fanden Verwendung. Blasinstrumente (Hüterpfeiferl) aus Messing oder Rinderhörner dienten als Signalgeräte. In Lengenfeld (Niederösterreich) wurden drei Bewerber ausgelost und von der Gemeinde vereidigt. Jeder Hüter bekam einen Bürgen, der für ihn verantwortlich war. Außer der üblichen Ausstattung erhielten die Hüter ein Fernglas und eine Plakette. Ihren Hut schmückten sie mit einem Sträußchen aus Wermut. Wenn Sie einen Dieb stellten, waren sie verpflichtet, ihn auf die Gemeinde zu bringen, wo er verurteilt wurde. Nur schwangere Frauen blieben straffrei.

Während ihres Dienstes wohnten die Männer in behelfsmäßigen oder festen Hüterhüten in den Weingärten. In Ebersbrunn (Niederösterreich), an der Hochstraße zwischen Hohenwarth und Radlbrunn, steht eine solche "Hiatahütte". Die Kellerröhre mit halbkreisförmiger, gelber Fassade, wurde während der Hutzeit durchgehend vom Weinhüter bewohnt. Als letzter versah Anton Kisser 1953 diesen Dienst. Auf seine Initiative erfolgte in den 1980-er Jahren die Restaurierung, der seither als Ausflugsziel zugänglichen Baulichkeit. (Frdl. Mitteilung von Robert Haderer)

Der Hüterbaum (Hutsäule) zeigte die Periode der Bewachung an. Es handelte sich um einen mehrere Meter hohen bis auf den Wipfel entrindeten, geschmückten Baum. Regional wurde er mit gekreuzten Strohwischen, hölzernen Hüterhacken oder dem Hüterstern bekrönt. Im Weinviertel zierten Wermut und Kugeldisteln die Hüterstange. Wie der Maibaum war der Hüterbaum in Gefahr, gestohlen zu werden. Am Ende der Saison legte man ihn um und feierte mit Umzug und Mahl. Der Perchtoldsdorfer Kirtag (Niederösterreich) ist ein solches Lesefest, bei dem die "Hiatapritschen" durch den Ort getragen wird. Es handelt sich um einen großen, glockenförmigen Aufbau voller Trauben auf einer langen Stange, der während des Umzugs gedreht werden muss. Seit 2010 zählt der Perchtoldsdorfer Hüterumzug zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Neustifter Hauerkrone, 2015
Neustifter Hüterhorn

Beim Neustifter Kirtag (Wien 19) Mitte August und beim Pötzleinsdorfer Kirtag (Wien 18) ist eine Krone aus vergoldeten Nüssen das Festsymbol. Die Neustifter Hauerkrone ist eine meterhohe Bügelkrone, die aus der Zeit Maria Theresias (1717-1780)stammen soll, als die Weinbauern der Kaiserin ihre Aufwartung machten.


Quellen: 
Leopold Schmidt: Volkskunde von Niederösterreich, Horn 1966. Bd 1/117
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 137
Film "Körndlbauern und Zegerltrager" von Anna Thaller, Andrea Müller und Helga Maria Wolf. Krems 2008
Perchtoldsdorf

Bilder
oben: Die Pötzleinsdorfer Hauerkrone, Wien 18. Foto: Doris Wolf, 2004
unten: Die Neustifter Hauerkrone, Wien 19, Neustifter Hüterhorn (beim Erntedankfest) Fotos: Doris Wolf, 2015