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Widderprozession#

In Obermauern (Gemeinde Virgen, Osttirol) ist die Wallfahrtskirche Maria Schnee am Samstag nach Ostern Ziel der Widderprozession. Ein Steinschaf wird von den Bewohnern des Virgentales (Virgen und Prägraten) zur Verfügung gestellt, von einem Widderhalter gepflegt, nicht geschoren und hat bei der Weide Vorrechte. Das halbmeterlange weiße Fell wird mit Bändern und Blumen geschmückt und das Tier in Prozession zur Kirche gebracht. Der Widderhalter führt es dreimal um den Hochaltar. Das Schaf bleibt beim Bitt- und Dankgottesdienst in der Kirche und wird danach zu deren Gunsten versteigert. 

Der Brauch geht nach der Überlieferung auf die Pestjahre um 1635 zurück, als ein Drittel der Tiroler der Seuche zum Opfer fiel. Ein barockes Votivbild in der Wallfahrtskirche zeigt die Dreifaltigkeit, Maria und Josef, die Prozession und den Kampf des Widders mit dem Sensenmann. Die Darstellung bezieht sich auf das frühere Ziel, den Lavanter Kirchbichl mit seinen zwei Kirchen, wohin die Prozession bis 1920 führte. Für die Teilnehmer bedeutete dies bei einer Entfernung von 50 km mindestens 12 Stunden Gehzeit.

Ein ähnlicher Brauch besteht in Ötting (Gemeinde Oberdrauburg) in Kärnten, der ebenfalls auf ein Pestgelöbnis des Jahres 1635 zurückgehen soll. Der Brauch ist dem Gedächtnis der Schmerzen Mariä gewidmet und wird daher am Freitag vor dem Palmsonntag (Schmerzensfreitag) gepflegt. Der Erlös der Versteigerung kommt kirchlichen Zwecken zugute.


Quellen: 
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 81
Brauch
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