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Helga Maria Wolf

Wochentage#

In den meisten Kulturen hat die Woche sieben Tage. Das ergibt sich aus den vier Mondphasen: 28 Tage in vier Wochen. So hielten es schon die Babylonier und alten Ägypter, die jeden Tag einer Gottheit zuordneten, die Griechen und Römer übernahmen dies.

Traditionell kam den einzelnen Wochentagen verschiedene Wertschätzung bei der Feier von Lebensbräuchen zu. Das hatte mit der Bedeutung der Fasttage zu tun. Das ländliche Scherzlied "Was is' heut' für Tag ?" spiegelt die Auswirkungen auf den Speisezettel wieder: Montag - Knödeltag, Dienstag - Nudeltag. Mittwoch - Strudeltag, Donnerstag - Fleischtag, Freitag - Fasttag. Dazu kommen im Lied der Samstag als Zahltag und der Sonntag als Lumpentag. Der als Fleischtag hervorgehobene Donnerstag gilt in Wien noch immer als "Nobeltag" z.B. bei Ausstellungseröffnungen oder der Abhaltung des Opernballs. Der besonders geschätzte Sonntag war früher als einziger arbeitsfrei, daher konnte man feiern und Geld ausgeben ("lumpen").

Die katholische Kirche brachte einzelne Wochentage mit Heiligen in Verbindung, wie Montag - Schutzengel, Dienstag - Anna, Mittwoch - Josef, Samstag - Maria. Ergänzend waren der Donnerstag der Eucharistie (Gründonnerstag), der Freitag Jesus (Karfreitag) und der Sonntag der Dreifaltigkeit gewidmet. Den ungeliebten ersten Arbeitstag der Woche machten die Handwerker gerne zum "blauen Montag". Bei dieser Bezeichnung spielen wohl die Nebenbedeutungen der Farbe Blau mit (z.B. bläuen bei Raufereien, oder "blau" - betrunken sein) mit. Zu Ostern und zu Pfingsten ist der Montag als Rest der ehemaligen Oktav (Festwoche) ein zweiter Feiertag. Auch bei Kirtagen verlängerte man sich gerne das Wochenende.

Der zweite Tag war nach dem Kriegsgott und Planeten Mars benannt. Aus Mars wurde "Mars Thingsus". Mittelalterliche Herrscher, wie Kaiser Heinrich IV. (1050-1106) begannen ihre Kriege gerne an diesem Wochentag. Daher galt der Dienstag vielerorts als Unglückstag. Der Namensanklang ließ ihn aber für den Dienstantritt günstig erscheinen. Dienstag war vielerorts wie Donnerstag ein Fleischtag und daher für Hochzeiten beliebt.

Die Bezeichnung Mittwoch ist seit dem 10. Jahrhundert bekannt. Die mittelalterliche Kirche machte ihn zum Fasttag. Im Jahreslauf bedeutsam ist der Aschermittwoch als Beginn der vorösterlichen Fastenzeit. Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens verweist auf die Bedeutung des Mittwochs als Unglückstag, an dem man nichts Neues beginnen und nicht heiraten sollte. Daher fanden die "stillen Hochzeiten" (die sein "mussten") an diesem Wochentag statt.

Der vierte Wochentag des bürgerlichen Kalenders war bei Römern wie Germanen nach dem höchsten Gott (Jupiter bzw. Thor) benannt. Ein anderer Name für den Donnerstag war "Pfinztag" (nach gr. pempte hemera - fünfter Tag in der christlichen Zählung, die mit Sonntag beginnt). Dementsprechend hieß der Gründonnerstag "Antlasspfinztag". Die beweglichen Feiertage Christi Himmelfahrt und Fronleichnam fallen auf Donnerstage. Die letzten drei Donnerstage im Advent, die Klöpfelnächte, sind Termine für Heischebräuche. Am "fetten Donnerstag", dem letzten im Fasching, wurde besonders üppig gefeiert. Teilweise bestanden am Donnerstag (wie am Sonntag) Arbeitsverbote.

Der Freitag war in der Antike der Tag der Liebesgöttin (Venus bzw. Freya). In der christlichen Tradition gilt er - wegen des Karfreitags - als Unglückstag. Schon im 4. Jahrhundert war er ein Fasttag, noch heute läuten Freitag um 15 Uhr die Kirchenglocken zum Gedenken an die Todesstunde Christi. Kein anderer Wochentag ist mit so vielen superstitiösen Vorstellungen verbunden: Man sollte an diesem keine Arbeit beginnen und nichts Wichtiges unternehmen. Hingegen schien der Tag für Orakel und Lottospiel günstig, ebenso in der populären Heilkultur, weil er von Krankheit frei machen sollte.

Der Samstag war dem römischen Gott des Ackerbaus, Saturn, geweiht. Im Judentum ist der Sabbat (Schabbat), der siebente Wochentag. Er erinnert an Gottes Schöpfungswerk und ist ein Ruhetag. Die Kircher bestimmte den Samstag im 11. Jahrhundert bestimmte zum Tag der Gottesmutter. An den drei "goldenen Samstagen" nach Michaeli (29. September) wurden (Marien-)wallfahrten abgehalten. An den Adventsamstagen feierte man die Rorate-Messen zu Ehren der heiligen Maria. Der Karsamstag, an dem keine Liturgie stattfindet, ist die Zeit der Grabesruhe zwischen Karfreitag und Ostern. In der populären Frömmigkeit galt der Samstag als heiliger Tag, an dem Arbeitsverbote bestanden. Für Hochzeiten schien er geeignet, weil man am Sonntag weiterfeiern konnte.

Der Sonntag (lat. dies solis) ist als Tag des Herrn (dies dominica) in den vom Christentum geprägten Ländern der wöchentliche Ruhetag. Die Kirchen feiern Gottesdienste im Gedenken an die Auferstehung Christi am Ostersonntag - dem „ersten Tag der Woche“. Im Kirchenjahr wichtige Sonntage erhielten eigene Namen, wie Laetare (4. Fastensonntag), Palmsonntag, Ostersonntag, Weißer Sonntag (nach Ostern), Pfingstsonntag, Dreifaltigkeits- oder Goldener Sonntag (nach Pfingsten), Gaudete (3. Adventsonntag). Sonntage waren beliebt für Taufen und Hochzeiten. Sonntagskinder galten schon im alten Rom als Glückskinder.

Erschienen in der Zeitschrift "Granatapfel", 2014