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Zündholz#

Zuendholz

Das Zündholz wurde um 1830 erfunden. In Wien stellte der Apotheker Stephan Roemer (1788-1842) erstmals 1832 gewerbsmäßig Phosphorstreichhölzer her. Ein Jahr später gab es bereits drei Fabriken dafür. Frauen, die dort arbeiteten, litten an einer charakteristischen Berufskrankheit (Nekrosen des Unterkiefers). Der Wiener Chirurg Primarius Friedrich Wilhelm Loriser (1817-1895) erkannte, dass die Knochenschädigung vom Einatmen der hochgiftigen Phosphordämpfe herrührte. Er erreichte das Hofkanzlei-Dekret vom 7. Oktober 1846 über Arbeitsbedingungen in Zündholzfabriken, das Frauen und Kinder von dieser Arbeit ausschloss. 1845 schrieb der dänische Dichter Hans Christian Andersen (1805-1875) das traurige Märchen vom "Mädchen mit den Schwefelhölzern". 1847 entdeckte der österreichische Chemiker Anton Schrötter von Kristelli (1802-1875) den ungiftigen roten Phosphor, aber erst 1912 kam es zu einem Verbot des weißen Phosphors. 

1839 gründeten Bernhard Fürth (1796-1849) und sein Kompagnon Josef Scheinost in Susice/Schüttenhofen im Böhmerwald eine Zündholzfabrik. In den 1860er- Jahren entstand die Wiener Niederlassung „Zündwaren-Fabrik Bernhard Fürth“. 1856 begann der Kaufmann Florian Pojatzi in Deutschlandsberg, Steiermark, mit der Erzeugung von Zündhölzern. 1882 wurde die „Actiengesellschaft Union, vereinigte Zündholz- und Wichsefabriken“, als Kartell gegründet, um der chinesischen Konkurrenz zu begegnen.

1903 fusionierte die Union mit den fünf anderen größten Zündholzfabriken Österreichs (u.a. Fürth, Pojatzi) zur „Solo Zündwaren- und Wichsefabriken AG". Allein in Deutschlandsberg waren 1.200 Arbeitskräfte beschäftigt. 1927 ging ein Teil der Aktien an Ivar Kreuger, den Herrscher des deutschen Zündholzmonopols. 1939 wurde die "Solo" in die „Deutsche Zündwaren Monopolgesellschaft“ eingegliedert, nach 1945 wieder verselbständigt und 1972 liquidiert. Nach der Sperre des Standorts Deutschlandsberg, 1982, besitzt Österreich keine Zündholzindustrie mehr. Nur eine Fabrikshalle mit einer Gedenktafel blieb erhalten. Seit 1986 besteht dort in einigen Vitrinen das "Solomuseum".


Quelle:
Familie Fürth

Bild: Zündhölzer. Foto: Wolf