Zirkus#

Zirkus

Ein Zirkus (lat. Kreis) ist ein Unterhaltungsunternehmen, das Vorstellungen mit verschiedenen  Darbietungen (Akrobatik, Clownerie, Zauberei, Tierdressuren) zeigt. Die ursprünglich dargebotene Kunst waren Pferdedressuren, später folgten Artisten- und Raubtiernummern. Die Manege hat meist 13 Meter Durchmesser, das ideale Maß, um ein Pferd im Kreis laufen zu lassen. Als Vater des europäischen Zirkus gilt der Engländer Philip Astley (1742–1814). Der klassische Zirkus des 20. Jahrhunderts war ein Familienbetrieb, der mit seinem Zelt von Ort zu Ort zog. Zirkuszelte kamen im 20. Jahrhundert auf, zuvor spielte man in festen Gebäuden, von denen sich auch in Wien einige befanden: 

Der Zirkus Bach auf der Zirkuswiese im Prater war vermutlich ein Bau des klassizistischen Architekten Josef Kornhäusel (1782-1860). 1802 trat Christoph de Bach erstmals in Wien auf. Das mit einer Glaskuppel versehene Gebäude erlebte seine Glanzzeit in den Jahren des Wiener Kongresses. Es stand von 1808 bis 1852. 

Der Zirkus Busch, ebenfalls im Prater, wurde 1881 als 16-eckiger, 15 m hoher Kuppelbau mit 39 m Durchmesser als "Diorama" (Panorama-Vorführungen) für eine österreichisch-belgische Gesellschaft errichtet. 1892 richtete Paul Busch darin einen Zirkus für 2.600 Zuschauer ein. In der Folge fanden Ringkämpfe, Pantomimen, Gastspiele anderer Zirkusse, Film- und Theateraufführungen statt. 1920 erfolgte der Umbau zum Busch-Kino, das nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg demoliert wurde. 

Der Zirkus Renz war eine zwölfeckige, 40 m Durchmesser aufweisende, 1854 errichtete Anlage in der späteren Zirkusgasse (Wien 2). Nach der Renovierung 1883 hatte er 3.559 Sitzplätze. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Zirkus Renz der bedeutendste Europas mit Dressuren, Clowns, Akrobaten und Pantomimen. Erstmals zeigte hier Jules Leotard (1838-1870) eine Trapeznummer im freien Flug. Nach der Schließung des Zirkus 1897 fand das Gebäude andere Verwendung, u.a. als Magazin und Varieté. Von Bombentreffern zerstört, wurde es 1957 abgetragen, an seiner Stelle enstand eine städtische Wohnbauanlage (Renz-Hof). 

Der Zirkus Schumann befand sich in der Märzstraße, Wien 15. Albert Schumann, der 1890 mit einem Zeltzirkus nach Wien kam, errichtete an der Mariahilfer Linie einen Holzbau, den er bald vergrößerte. 1892 fasste dieser 3.500 Personen und hatte elektrische Beleuchtung. Ein Jahrzehnt später ließ ihn der Besitzer erneuern, er führte den Zirkus bis 1920 als Varieté Schumann. 1922 wurde dieses abgebrochen und statt dessen die Zweite Zentralberufsschule errichtet. 

Der Zirkus Zentral etablierte sich 1923 gegenüber des - damals nicht mehr als solcher bestehenden - Zirkus Busch. Eineinhalb Jahrzehnte bildete er das wichtigste circensische Etablissement Wiens. Im Zirkus Zentral gastierten bekannte Ensembles wie der Raubtierzirkus Hagenbeck, Zirkus Knie und die Löwinger Bühne. 1942 wurde das Gebäude, das zuletzt als Lagerhalle diente, demoliert.

Benoit Advinent

Die Dressur von wilden Tieren war nicht nur im ortsfesten Zirkus, sondern auch in Wandermenagerien eine Attraktion. Benedikt Advinent (um 1800-1862) aus Wien war im 19. Jahrhundert der Besitzer der damals größten reisenden Menagerie Europas. Er gastierte mit dressierten Löwen, Hyänen, Leopard, Panther, Tiger, Jaguar, Zebra, Lama, Eisbär, Antilopen, Wolf, Schakal, Känguruh, Waschbär, Dachs, Affen, Riesenschlange, Krokodil, Strauß, Pelikan, Geier, Papageien und exotischen Vögeln u. a. 1828 in Mailand, 1835 in München, 1837 in Zürich. In ausländischen Zeitungen las man, dass „dieser wunderbare künstliche Bändiger der wildesten Thiere“ alle Einwohner der bereisten Städte „in volles Erstaunen über seine unübertrefflichen Leistungen setzte“, dass sich auch adelige Herrschaften „über die Bezähmung der Thiere erstaunt“ und von den Darbietungen „höchst befriedigt“ zeigten. 1860 präsentierte Advinent Tierschauen im Panoramagebäude im Wiener Prater. Benoit Advinent wurde in Frankreich (?) geboren. Er heiratete die Wienerin Marie Marsberg. 1842 kam ihre Tochter Marie Henriette in Brignais (Frankreich) zur Welt.


Quellen:
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 5 / S. 707
Wikipedia:Zirkus (Stand 12.4.2011)
Alfred Wolf: Rote Stadt, schwarzes Dorf (Manuskript) Wien 2010

Bild: Besuch beim Zirkus Krone. Wien 1954. Foto: Alfred Wolf