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Zylinder#

Zylinder

Der Zylinder ist ein hoher, steifer Hut mit zylindrischem Kopf und fester Krempe. Zylinder für Männer entwickelten sich um 1780 aus hohen Hüten aus Wollfilz, wie sie der englische Landadel als Reithut trug. 1797 erfand ein englischer Hutmacher den Seiden-Zylinder. 

Im 19. Jahrhundert wurde der hohe Hut zur typischen Kopfbedeckung der Bürgert - und damit zum Feindbild der Arbeiter in der Revolution 1848 in Wien. Davon erzählt die Travestie einer "Schauderhaften Moritat", worin es heißt: "Am Thury drunt beim Brunni, geschahs am sechsten Juni … das Opfer hieß Zylinder. Zwei Strizzi war'n die Sünder, die schlugen drein wie Binder …" In der Stadt bald Bestandteil bestimmter Berufstrachten (Rauchfangkehrer, Fiaker, Zauberkünstler), trugen ab 1820 auch die reichen Bauern in Niederösterreich und Oberösterreich hohe, schwarze Hüte. In Kremsmünster, Oberösterreich, veranstalten die Maturanten des Stiftsgymnasiums einen Umzug mit Zylinder und einer Blume im Knopfloch. Sonst tragen die Herren Zylinder nur zu festlichen Anlässen zu einem förmlichen Cutaway oder Frack. 

Helle Zylinder für Frauen finden sich ab 1779 im Salzkammergut. In der ersten Häfte des 19. Jahrhunderts bevorzugten die Salzburger Bürgerinnen röhrenförmige, hohe Hüte in Gelb, Grauweiß und Schwarz, mit Seide gefüttert und mit schwarzen Schnüren oder Goldquasten geziert.


Quellen:
Arthur Haberlandt: Taschenwörterbuch der Volkskunde Österreichs. Wien 1953. Bd. 1/S. 179
Eduard Kremser: Wiener Lieder und Tänze. Wien 1913. Bd.2/S. 44
Franz C. Lipp, Elisabeth Längle, Gexi Tostmann, Franz Hubmann (Hg.): Tracht in Österreich. Wien 1984. S. 56
Wikipedia: Zylinder (Stand 12.4.2011)

Bild: Dame und Herr, der einen Zylinder trägt, beim Sekttrinken. Postkarte um 1900. Gemeinfrei