unbekannter Gast

Amanshauser, Martin#

* 1968, Salzburg


Schriftsteller, Journalist und Übersetzer


Martin Amanshauser
Martin Amanshauser. Foto
© Ingo Pertramer

Martin Amanshauser wurde 1968 als Sohn von Sohn von Gerhard Amanshauser in Salzburg geboren.


Nach der Matura studierte er Geschichte bzw. Portugiesisch/Spanisch/Afrikanistik in Wien, schrieb 1994 seine Diplomarbeit "Al-Garb und Galicien, Die 'Reconquista' in Portugal (711-1147)" und 2001 seine Dissertation "Taifas und Condados, Die mittelalterliche Stadt im Westen der Iberischen Halbinsel".


Seit 1999 ist er auch als Reisejournalist tätig (u.a. für "Der Standard", "Die Presse"). Er schreibt eine wöchentliche Reisekolumne "Amanshausers Welt", 52 Texte daraus sind im "Logbuch Welt" gesammelt und 2007 erschienen.


Er lebt und arbeitet als Schriftsteller, Journalist und Übersetzer in Wien und Berlin.

Werke (Auswahl)#

Bücher:
  • NIL, Roman. Wien, Frankfurt: Deuticke, 2001
  • 100.000 verkaufte Exemplare. Gedichte.Wien, Frankfurt am Main: Deuticke, 2002.
  • Chicken Christl. Roman. Wien, Frankfurt am Main: Deuticke, 2004.
  • Alles klappt nie. Weltraumroman. Wien, Frankfurt am Main: Deuticke, 2005.
  • Logbuch Welt. 52 Reiseziele für Profi-Traveller und chronische Daheimbleiber. Wien, München: Brandstätter Verlag, 2007.

CD:

  • Auf der falschen Seite von Ikebukuro". Amanshauser & Wenzl, Actute Music, 2006.

Übersetzungen:

Aus dem Portugiesischen:

  • Rui Zink: Hotel Lusitano. Wien: Deuticke in Zsolnay, 1998.
  • Rui Zink: Apokalüpse Nau. Wien: Deuticke in Zsolnay, 1999.
  • Rui Zink: Afghanistan. Wien: Deuticke in Zsolnay, 2001.

Aus dem Amerikanischen:

  • Askold Melnyczuk: Mindestens tausend Verwandte. Wien: Zsolnay, 2006.


Leseproben#

aus

Martin Amanshauser – "100.000 verkaufte Exemplare"


pfefferminz

du hast mich so lieb wie den honig
der deine zähne verklebt
heute bin ich ein himmel
der blau auf der postkarte lebt

wärst du ein allzwecksofa, ich würde
all deine zwecke ergründen
ich würde, wenn du ein armleuchter wärst,
deine arme täglich entzünden

wärst du ein entlehntes buch,
ich würde dich dauernd verlängern
wärst du mein bruder, würde ich dich
dennoch und endgültig schwängern

wärst du dann schwanger, dann wärst du
nichts als ein schwangeres kind
dann blieben wir immer zusammen
dann wehte im donauraum wind

bring mich von dieser miesen
in die weizen- und gerste-provinz
lass uns den ratten pulver geben
und den säufern pfefferminz


der dichter ist ein einsamer wolf

der dichter ist ein einsamer wolf
trinkt selten schnaps; spielt niemals golf
tritt ungern einem kegelklub bei
brät als nahrung ein braunes spiegelei
geht gar nicht oder unfrisiert spazieren
hat angst, bei allen pferdewetten zu verlieren
lässt sich von kritikern verdrießen
würd öfter gern sein telefon erschießen
mag hitler ungern, findet lenin besser
trinkt tee- und kaffeeähnliche gewässer
2x die woche muss er laut vertrag die musen küssen
die immer (auch bei grippe) mit ihm schmusen müssen
der dichter wird bei mondschein leicht verrückt
erschaudert wenn ein sturm ans fenster drückt
muss dauernd mit poesie die welt bewegen
und liebt (vor allem wenn sichs reimt) den regen
zitiert von schopenhauer jedes große wort
schaut heimlich und verschwitzt den abendsport
säuft sprudelwein bei kerzenlicht
und dichtet manchmal ein sonettgedicht


hase enorm

gewitter: da sieht der bergwesten aus
wie ein luftballon mit bronchien

überall sammeln die traktorkäfer
gräser ein für den nächsten krieg

eine sandkiste spielt mit rostigen bänken
schnuller stecken in der erde wie pilze

motoren befluten das land mit geräuschen
das von kastanien weichgeklopft wird

weiter hinten quasseln zwei gartenschläuche
mit den trockenen schnecken auf ihrer haut

hase enorm hüpft über die dörfer
hinterlässt seinen fußabdruck auf einer kirche

100.000 verkaufte Exemplare

Beschwerlich wird das Leben wenn man alle hasst
und man sich niemals traut, die Wahrheit rauszuschrein
wenn man den Freunden im geheimen gern die Zähne risse
um ihnen ein Doublett vom eigenen Gebiss zu leihn

Der Pizzadienst bringt Pizza mit kaputtem Mozzarella
Den rest der Milch, den muss man in die Muschel gießen
Ein RSA-Brief ist der einzige, der was von einem will
Am liebsten würde man John Lennon oder so erschießen

Doch gibt es tage, wo dir Sonne aus den Ohren wächst
Du möchtest Sandler küssen und John Lennons grab besuchen
Du kühlst 10 Dosen Bier, du lädst dir Leute ein, die dröhnen
dir deine Ohren winzig und zertreten unbewachte Erdbeerkuchen

Am nächsten Tag herrscht Aspirin und alle Kleider stinken
Im Nebenzimmer sitzt ein Unbekannter und frisst deine Jahre
Du denkst, die Royals meinen dich, wenn sie im Fernsehn winken
Du bist so ausverkauft wie 100.000 Exemplare


Aus dem Gedichtband "100.000 verkaufte Exemplare", Deuticke Verlag, 2002 mit freundlicher Genehmigung des Verlags Zsolnay



KLAPPENTEXT:

100.000 verkaufte Exemplare – die schräge Wunderwelt des Martin Amanshauser. Endlich liegen die gesammelten Gedichte vor, poetisch, spritzig, provokant, Lesefutter für die Geschädigten der Poesiebuch-Generation.

Martin Amanshauser haucht alten Formen neue Frische ein: Lyrik als Gebrauchsgegenstand, als Lebenshilfe, als Shortest-Story. Eine Aufforderung, sich wieder mit den ganz kleinen und ganz großen Dingen des Lebens zu beschäftigen. Ist es heute möglich, ohne Pathos Gedichte zu schreiben, die unter die Haut gehen?

In der Tradition von Ernst Jandl, Robert Gernhardt und Wolf Wondratschek, aber doch in ganz eigenständigem Ton, fabuliert der Träger des Georg-Trakl-Förderungspreises quer durch die Welt von Liebe, Sex und Reifengummi.

"Hier besinnt sich einer seiner individuellen Stimme. Amanshauser prunkt nicht mit großen Worten, er blufft nicht mit Schnörkeln und Arabesken."
Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten.

"Amanshausers Lyrik würde ich am liebsten auf eine Postkarte drucken."
Fritz Müller-Zech, Am Erker.

"Erinnert mitunter an den wunderbaren Nonsens-Klamauk von Ringelnatz. Amanshauser schweinigelt gerne und gekonnt, schiebt die Schuld jedoch auf den französischen Premier."
Thomas Weber, Wellbuilt.

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl