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Bednarik, Karl#


* 18. 7. 1915, Wien

† 14. 1. 2001, Wien


Schriftsteller und Maler

Karl Bednarik
Karl Bednarik
Foto: © Herbert Bednarik
Karl Bednarik wurde am 18. Juli 1915 in bescheidenen Verhältnissen in Wien geboren, wo er aufwuchs und auch bis zu seinem Tod lebte.

Als er die Schule beendete, war die Zeit der Wirtschaftskrise - Arbeitslosigkeit, Not und Elend waren an der Tagesordnung. Statt freischaffender Künstler zu werden – wie er es sich schon von Kindheit an gewünscht hatte - fand er mit Mühe eine Lehrstelle als Buchdrucker. 1934 wurde der junge Arbeiter aus politischen Gründen entlassen.

1934 begann er als Autodidakt mit Malerstudien und besuchte nach dem Krieg (1945/1946) die Akademie der bildenden Künste in Wien. Daneben musste er aber immer arbeiten (u.a. als Flugmotorenprüfer und Elektroschweißer), um den Lebensunterhalt für seine wachsende Familie zu sichern und begann regelmäßig für Zeitschriften zu schreiben. (1940 hatte er geheiratet, ab 1944 kamen 5 Kinder zur Welt.)

Ab 1949 nahm er an Ausstellungen im In- und Ausland teil; in den 1950er Jahren schuf er im Auftrag der Gemeinde Wien Mosaike und Graffiti.
(Einige seiner bildkünstlerischen Werke sind im Besitz der Österreichischen Galerie Belvedere und der Graphischen Sammlung Albertina.)

Selbstporträt Karl Bednarik, 1940
Selbstporträt, 1940
© Rosa Maria Grieder-Bednarik

Im Laufe der Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt seiner Arbeiten von der Bildenden Kunst zur Schriftstellerei. 1951 bis 1953 erschienen die beiden ersten Romane und der großes Aufsehen erregende sozialwissenschaftliche Essay "Der junge Arbeiter von heute - ein neuer Typ".


Von 1953 bis 1955 war Karl Bednarik im "Script-Departement" des Senders Rot-Weiß-Rot und für die RAVAG tätig, wo er zahlreiche Radiosendungen gestaltete. Ab 1957 verfasste er Drehbücher für das österreichische Fernsehen zu Themen der bildenden Kunst und Literatur (u.a. die ORF-Serie "Schwarz auf Weiß - Abenteuer der Zeichenkunst", Beiträge für die Sendung "Der Fenstergucker") und weitere erfolgreiche Bücher zu gesellschaftlichen Themen, die in viele Sprachen übersetzt wurden.

Von 1968 bis 1975 war er Herausgeber der Reihe "Antworten" des Wiener Verlags Jugend & Volk und von 1975 bis 1980 leitete er die Galerie "Alte Schmiede" in Wien.

Nach seiner Pensionierung verfasste er noch einen (bisher unveröffentlichten) Familienroman, der in Wien im Jahr des Justizpalastbrandes spielt, daneben schrieb er an seinen Lebenserinnerungen. Fast bis zu seinem Lebensende widmete er sich aber auch der Zeichnung und der Malerei.

Karl Bednarik starb am 14. Januar 2001 in Wien.


In seinem schriftstellerischen Werk, bestehend aus Romanen und Essays, setzte er sich vor allem mit den soziologischen Aspekten der durch die Technisierung der Arbeitswelt ausgelösten Umwälzungen auseinander.

Werke (Auswahl)#

  • Zwischenfall in Wien, 1951
  • Der Tugendfall, 1953
  • Der junge Arbeiter von heute, 1953
  • Omega Fleischwolf, 1954
  • Die Programmierer. Eliten der Automation, 1965
  • Die Lerngesellschaft. Das Kind von heute - der Mensch von morgen, 1966
  • Die Krise des Mannes, 1967
  • Die unheimliche Jugend, 1969

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Theodor-Körner-Preis, 1962 und 1965
  • Verleihung des Titels "Professor", 1973
  • Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien, 1980
  • im 22. Wiener Bezirk wurde eine Gasse nach ihm benannt, 2006
  • das Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek erwarb den literarischen Nachlass


Leseprobe#

Karl Bednarik - An der Grenze

»Stein, wo ist die Grenze?« — »Ich bin die Grenze!«
»Baum, wo ist die Grenze?« — »Ich bin die Grenze!«
»Stern, wo ist die Grenze?« — »Ich bin die Grenze!«

Da sehe ich drüben den Meister des Vergessens stehen und rufe ihn an. Sogleich kommt die Antwort:
»Die Grenze ist überall, wo du bist. Du mußt erkennen: du bist und du bist nicht. Bist du, dann bist du an der Grenze, bist du nicht, dann bist du ohne Grenze.
Ohne Grenze bist du, wenn du nicht bist, auf zweierlei Art: entweder du bist innerhalb, dann hast du dich noch nicht erreicht. Oder du bist außerhalb, dann hast du dich überschritten.
Hast du dich noch nicht erreicht, dann wirst du es noch tun, hast du dich überschritten, dann kannst du nicht mehr zurück.
Jeder kommt an die Grenze und jeder überschreitet sie - wenige vor ihrem Tod.«


(Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Mag. art. Rosa Maria Grieder-Bednarik)

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl