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Bietak, Manfred#


* 6. 10. 1940, Wien


Archäologe


Manfred Bietak wurde am 6. Oktober 1940 in Wien geboren, wo er auch aufwuchs.

Er studierte an der Universität Wien Ägyptologie, Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie und Kunstgeschichte und promovierte 1964 mit der Dissertation "Studien zur Chronologie der nubischen C-Gruppe".

Bereits während seiner Studienzeit nahm er an zahlreichen vorgeschichtlichen, römischen und mittelalterlichen Ausgrabungen in Europa teil. Von 1961 bis 1965 war er als Archäologe und schließlich als Leiter der österreichischen Rettungsgrabungen im Rahmen der Kampagne der UNESCO zur Rettung der nubischen Altertümer in Sayala tätig.

Weiters leitete er (von 1966 bis 1969 und von 1975 bis 2009 ) die Ausgrabungen von Tell el-Dab'a im nordöstlichen Nildelta, wo er u.a. die Hyksos-Hauptstadt Avaris und die Ramses-Stadt Piramesse identifizierte(hier entdeckte er einen Palast mit minoischen Wandmalereien). Von 1969 bis 1979 war er zudem Grabungsleiter in Theben-West (Luqsor), wo er das Grab Anch-Hor entdeckte.

Von 1974 bis 1979 leitete er Projekte der Bauaufnahme der monumentalen Gräber der ägyptischen Spätzeit in der thebanischen Nekropole. Von 1966 bis 1972 hatte Manfred Bietak das Amt des wissenschaftlichen Sekretärs an der Kultursektion der österreichischen Botschaft in Kairo inne.

1971 wurde der Ägyptologe mit dem Aufbau einer archäologischen Forschungsstelle in Ägypten beauftragt, die 1973 dem Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) angegliedert wurde und bis 2009 unter seiner Leitung stand.

Nach seiner Habilitation 1975 wurde Manfred Bietak 1981 außerordentlicher und 1989 schließlich ordentlicher Professor für Ägyptologie an der Universität Wien, wo er von 1986 bis zu seiner Emeritierung 2009 Vorstand des Instituts für Ägyptologie war.

1997 und 2006 nahm er Gastprofessuren am Collège de France wahr, 2004 an der Harvard University. Von 1999 bis 2011 leitete er den Spezialforschungsbereich "Synchronisierung der Hochkulturen im östlichen Mittelmeerraum im zweiten Jahrtausend vor Christus" (SCIEM 2000) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften beim Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung. 2013 übernahm er die Leitung der Ausgrabungen im Palastbezirk von Tell Basta, einem Kooperationsprojekt der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mit der Universität Würzburg.

Manfred Bietak ist Autor und Koautor von 16 wissenschaftlichen Monografien und von über 200 Aufsätzen und Beiträgen in wissenschaftlichen Zeitschriften und Sammelwerken und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

2015 wurde ihm ein hochdotierter "Advanced Grant" des Europäischen Forschungsrats (ERC) zuerkannt. In dem ERC-Projekt "The Hyksos Enigma" will sich Manfred Bietak dem Rätsel um die Herkunft der Hyksos widmen, die zwischen etwa 1.640 und 1.530 v. Chr. in Ägypten herrschten.
Der Wissenschafter vom Institut für Orientalische und Europäische Archäologie (OREA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat bereits 1966 die Hauptstadt der Hyksos auf einem Ruinenhügel bei der heutigen Stadt Tell el-Dab'a entdeckt und forscht seither an der geheimnisvollen Königsdynastie. Seit 2005 legen der emeritierte Professor und seine MitarbeiterInnen der Universität Wien einen ausgedehnten Palastbezirk aus der Zeit des Neuen Reiches um 1550 v. Chr. frei.) Damit hat der emeritierte Universitätsprofessor Manfred Bietak die Möglichkeit, mit der Lösung des Hyksos-Rätsels sein Lebenswerk zu krönen und dieses Kapitel der Geschichte neu zu schreiben.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 2005
  • Ritter des königlichen schwedischen Nordsternordens erster Klasse
  • Kardinal Innitzer Preis, 2008

Mitgliedschaften (Auswahl)#

  • wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, seit 1993
  • Membre titulaire de l’Institut d’Égypte, seit 1979
  • Ordentliches Mitglied des Deutschen Archäologischen Institutes, seit 1981
  • Foreign Member of the Royal Swedish Academy of Letters, Stockholm, seit 1989
  • Fellow of the Society of Antiquaries, London, seit 1995
  • Corresponding Fellow of the British Academy, seit 1996
  • Foreign Honorary Member of the Archaeological Institute of America, seit 1996
  • Correspondant de l’Académie des Inscriptions et Belles-Lettres, Paris, seit 2006
  • Foreign Member of the Royal Society of Arts and Sciences in Göteborg, seit 2008

Werke (Auswahl)#

  • Studien zur Chronologie der nubischen C-Gruppe, 1968
  • Tell el-Dab´a, 1991
  • Zwischen den beiden Ewigkeiten. Festschrift für G. Thausing, 1994 (Hg.)
  • Archaische griechische Tempel und Altägypten, 2001 (Hg.)


Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl