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Bock, Ute#

* 27. 6. 1942, Linz

Erzieherin, Asylhelferin, Flüchtlingshelferin


Ute Bock
Ute Bock während der Pressekonferenz zum Österreichischen Filmpreis 2011 im Wiener Odeon-Theater.
Foto: Manfred Werner – Tsui. Aus: Wikicommons unter CC

Ute Bock ist bekannt für ihren unermüdlichen Einsatz für Flüchtlinge und Asylwerber in Österreich. Nach ihrer Pensionierung als Erzieherin gründete sie den Verein "Flüchtlingsprojekt Ute Bock".

Nach der Matura bewarb sie sich auf Wunsch ihres Vaters bei der Gemeinde Wien um eine Stelle. Als einzige Möglichkeit wurde ihr die Arbeit als Erzieherin angeboten. Von 1962 bis 1969 war sie im städtischen Heim in Biedermannsdorf tätig. Anschließend arbeitete sie als „Heimmutter“ im Gesellenheim Zohmanngasse im 10. Wiener Gemeindebezirk. 1976 wurde sie Leiterin des Heimes. Im Laufe der Zeit wurden dort zunehmend „schwierige Fälle“ untergebracht.

Mit Beginn der 1990er-Jahren schickte das Jugendamt vermehrt ausländische Jugendliche, anfangs Flüchtlinge aus Jugoslawien, später auch aus Afrika, in das Heim in der Zohmanngasse. Es handelte sich dabei häufig um Jugendliche, die keine staatliche Unterstützung während ihres Asyl-Verfahrens mehr erhielten. Bock bemühte sich darum, ihnen Deutschkurse, Gelegenheitsjobs und Schlafplätze zu organisieren. Das war der Beginn ihres Engagements für Asylwerber.

Im Herbst 1999 wurde von der Polizei im Rahmen der umstrittenen Operation Spring auch im Haus in der Zohmanngasse eine Razzia durchgeführt. Etwa 30 Jugendliche afrikanischer Herkunft wurden wegen des Verdachts von Drogenhandel festgenommen und Bock wegen Bandenbildung und Drogenhandels angezeigt. Sie wurde zeitweise vom Dienst suspendiert. Jedoch wurde die Anklage später fallen gelassen. Ute Bock wurde verboten, weitere afrikanische Asylwerber in der Zohmanngasse unterzubringen.

Seit ihrer Pensionierung im August 2002 setzt sie sich für AsylwerberInnen ein, für die sich sonst niemand zuständig fühlt. Mit 21. Mai 2002 wurde der Verein "Flüchtlingsprojekt Ute Bock", ein Wohn- und Integrationsprojekt, gegründet. Das Selbstverständnis des Vereines basiert auf vier Grundsätzen:

  • konfessionelle und parteipolitische Unabhängigkeit
  • Stärkung der Rechte und Kompetenzen von Flüchtlingen (Empowerment)
  • Bekämpfung aller Formen von Rassismus und Diskriminierung
  • niederschwelliger Zugang zu Hilfsleistungen.


Der Verein organisiert private Wohngemeinschaften und stellt das Vereinsbüro als Meldeadresse zur Verfügung. Ute Bock hat rund um die Uhr ein offenes Ohr für die vielen Schicksale, die in wachsender Zahl an sie herangetragen werden. Für viele Flüchtlinge ist Ute Bock damit erste Adresse und letzte Hoffnung zugleich.

Ute Bock und Houchang Allahyari
Ute Bock und Regisseur Houchang Allahyari bei der Vorpremiere des Films Bock for President, während der Studierendenproteste im Herbst 2009 im besetzten Audimax der Universität Wien.
Foto: Manfred Werner - Tsui. Aus: Wikicommons unter CC

Ihr uneingeschränktes Engagement für Flüchtlinge hat Ute Bock zu einer Leitfigur der österreichischen Zivilgesellschaft gemacht, und nicht immer hat ihr dieses Engagement nur Lob eingetragen. Doch Ute Bock und ihr Team organisieren weiter Unterkunft, Beratung, Deutsch- und EDV-Kurse für Flüchtlinge. Benefizevents wie die Veranstaltungsreihe "Bock auf Kultur", machen auf die schwierige Situation von Flüchtlingen aufmerksam und bringen gleichzeitig einen Teil der so dringend nötigen finanziellen Mittel auf. Denn das Flüchtlingsprojekt Ute Bock wird vor allem durch private Spenden, SponsorInnen und Preisgelder finanziert und ist daher laufend auf Spendengelder angewiesen.

Der Verein wird vom Fonds Soziales Wien des Magistrats der Stadt Wien gefördert. 2005 bekam der Verein erstmals ein eigenes Büro. Mit Unterstützung mehrerer Unternehmen (bene, GEA u.a.), die als Sponsoren Sachspenden bereit stellten, wurde Anfang 2006 ein Beratungszentrum in der Großen Sperlgasse im 2. Wiener Gemeindebezirk eingerichtet. 2008 stand der Verein kurz vor dem finanziellen Aus. Der Unternehmer Hans Peter Haselsteiner schritt ein und unterstützte den Verein. Über seine Privatstiftung Concordia kaufte er 2011 das Gebäude des ehemaligen Gesellenheimes in der Zohmanngasse von der Stadt Wien und finanzierte Renovierung und Umbau, um es Bocks Verein als Wohnheim zur Verfügung zu stellen. Im Mai 2012 bezog der Verein das Haus mit Wohnraum für rund 70 Flüchtlinge und Platz für Beratungseinrichtungen, wo auch Bock selbst in einer Wohnung lebt.

Im Oktober 2012 wurde Ute Bock mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet. Sie nimmt die Auszeichnung der Republik Österreich dankbar an und versteht diese Ehrung als Auftrag, ihre Arbeit für Flüchtlinge in Österreich mit vollem Einsatz fortzusetzen. "Denn ein Mensch", so Ute Bock, "hat nicht auf der Straße zu schlafen - wo immer er auch herkommen mag."

Auszeichnungen#

  • Ute-Bock-Preis-für-Zivilcourage, 1999
  • UNHCR-Flüchtlingspreis, 2000
  • Bruno Kreisky Preis für Verdienste um die Menschenrechte, 2002
  • Dr. Karl-Renner-Preis, 2002
  • Greinecker Seniorenpreis des ORF, 2003
  • Spin the Globe-Award, 2004
  • Preis des Österreichischen Roten Kreuzes, 2004
  • Interkultur-Preis des Landes Oberösterreich, 2004
  • Nominierung zur Österreicherin des Jahres in der Kategorie Humanität, 2004
  • Eine von fünf Österreicherinnen, die beim Projekt 1000 Frauen für den Friedensnobelpreis ausgewählt wurden, 2005
  • Weltmenschpreis, 2007
  • Mitten im Leben-Preis, 2011
  • Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich, 2012

Filme#

  • Bock for President, 2009.
  • Die verrückte Welt der Ute Bock, 2010.

Literatur#

  • Cornelia Krebs (Hrsg.): Ute Bock. Die Geschichte einer Flüchtlingshelferin. Molden Verlag, Wien 2010.

Quellen#




Redaktion: K. Ziegler