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Born, Ludger#

* 15. 6. 1897, Duisburg

† 27. 11. 1980, Münster/Westfalen


Seelsorger


Ludger Born
Ludger Born


Der Jesuitenpater Ludger Born war als Novize im Bonifatiushaus freiwillig von 1915 bis 1918 Soldat und erhielt nach seiner weiteren Ausbildung im Kloster am 27. August die Priesterweihe.


Er wurde von Kardinal Dr. Theodor Innitzer als Nachfolger des P. Bichlmayr SJ, der wegen seiner Tätigkeit zuerst verhaftet und danach von der Gestapo nach Schlesien verbannt worden war, in die vom Erzbischof von Wien bereits 1938 gegründete "Hilfsstelle für nichtarische Katholiken" als Leiter eingesetzt. Diese Hilfsstelle war die einzige Hilfe dieser Art für nichtarische Katholiken im gesamten nationalsozialistischen Deutschen Reich.

Kardinal Innitzer hatte sie direkt im erzbischöflichen Palais in den Räumlichkeiten der alten Kutscherwohnung untergebracht, um dadurch einen besonderen Schutz zu geben. Daher stammt die Bezeichnung "Der Stall" für diese Hilfsstelle.

Auch P. Born war von seinem Oberen zum Schutz vor den Nationalsozialisten nach Wien versetzt worden und wirkte in der Jesuitenresident am Dr. Ignaz Seipel-Platz als Prediger, Beichtvater und Priesterseelsorger.

Gemeinsam mit Schwester Verena von der Caritas Socialis, Frau Liselotte Fuchs und vielen anderen oftmals ungenannten Helferinnen war Ludger Born inoffiziell tätig, da offiziell nur die Israelitische Kultusgemeinde die Interessen von Abstammungsjuden vertreten durfte. Die Hilfsstelle hat sich vordringlich um die seelsorgerische Betreuung von Katholiken, die nach den NS-Gesetzen als Juden gegolten haben (sogenannte "Geltungsjuden") und die Auswanderung gekümmert, hat aber auch die soziale Betreuung von Kindern, Jugendlichen sowie Kranken und Alten durch die Beschaffung von Lebensmitteln und Bekleidung übernommen.

P. Born ist es als ersten gelungen, staatliche, kommunale und verschiedene religiöse Institutionen an einen Tisch zusammen zu führen und gemeinsame Wege zu erarbeiten.

Im Jahr 1941 lebten trotz ständiger Deportationen noch 7.917 Nichtglaubensjuden in Wien, darunter 2.827 Katholiken. In Zusammenarbeit mit der "Schwedischen Mission für Israel", die evangelische Christen betreute (aufgelöst von der Gestapo am 15.6.1941) und den Quäkern, die sich um Glaubenslose kümmerten, wurde vieles erreicht.

Viele Staaten hatten sich geweigert, Flüchtlinge aufzunehmen. Eine Intervention von Papst Pius XII. ermöglichte beispielsweise für 3.000 Personen die Einreise nach Brasilien. Die Gestapo hat jedoch nicht alle ausreisen lassen.

Da Kinder und Jugendliche nicht öffentliche Schulen besuchen durften wurde unter der Leitung von Edith v. Füssl im Haus Wollzeile 7 ein Kindergarten und Jugendhort geführt, in dem zeitweise 45 bis 50 Kinder betreut worden sind. Dazu wurde im selben Haus eine Nähstube für Frauen organisiert.

Die Stadt Wien stellte in der Grüngasse im 5. Wiener Gemeindebezirk Räumlichkeiten zur Verfügung, in denen bis zu 300 Schülern Unterricht von außer Dienst gestellten Lehrern und Professoren erteilt wurde. Im Kloster der Clarissinen in der Töllergasse im 21. Bezirk wurde bis zur zwangsweisen Räumung ein Altersheim mit bis zu 90 Personen geführt, wodurch die Bezeichnung „Judenschwestern“ bekannt wurde.

Selbst die Bestattung nichtarischer Christen war ein Problem, da diese nicht in öffentlichen Friedhöfen beigesetzt werden durften. In mühevollen Verhandlungen mit der offiziellen Vertretung der Juden, dem „Ältestenrat“, konnte erreicht werden, dass nichtarische Christen in einer eigenen Halle auf dem jüdischen Friedhof von einem Priester eingesegnet und bestattet werden konnten.

Daneben fanden sich immer wieder Hilfesuchende im "Stall" ein und hofften, in ihrer bedrängten Situation Rat und Hilfe zu erreichen. Mit den in die KZ`s nach Polen und in die Tschechei Verschleppten wurde bis Ende 1942 schriftlich Kontakt für die Angehörigen gehalten und Lebensmittel sowie Medikamente geschickt. Die im „Außendienst“ tätigen Schwestern, oft “Spürhunde“ genannt, besuchten die Verfolgten in ihren Unterkünften, Spitälern und ihren Verstecken als Unterseeboot, und betreuten sie, brachten ihnen Essen und sprachen den Opfern Trost zu. Eine besondere Rolle spielte dabei Schwester Helen "Verena" Buben, die hauptberuflich nach der Auflösung ihres Ordens bis nach Kriegsende gearbeitet hat.

Trotz eines Bombentreffers am 12.3.1945 hat die Hilfsstelle weitergearbeitet und nach Kriegsende den aus den Lagern Heimgekehrten geholfen und Familien zusammengeführt . Sehr bald mussten aus dem Osten flüchtende Deutschen versorgt werden.

P. Born wurde 1946 nach St. Georgen zum Wiederaufbau und zur Leitung der Hochschule berufen. Anschließend war er von 1949 in Dortmund und von 1960 bis 1966 in Essen als Seelsorger tätig. Im Jahr 1966 verlieh ihm der österreichische Bundespräsident das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und der damalige Unterrichtsminister Dr. Piffl-Percevic bedauerte in seiner Laudatio, dass aus protokollarischen Gründen eine höhere Auszeichnung nicht möglich sei.

Am 26. November 1980 verstarb P. Ludger Born SJ im Altersheim seines Ordens.



Redaktion: P. Diem