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Braun-Prager, Käthe #

* 12. 2. 1888, Wien

† 18. 6. 1967, Wien


Lyrikerin, Erzählerin, Essayistin, Malerin

Käthe Braun-Prager
Käthe Braun-Prager
© T. M. Popović
Käthe Braun-Prager wurde am 12. Februar 1988 als Katharina Maria Braun in Wien geboren und stammte aus einem österreichisch-jüdischen Elternhaus.

Die Mutter starb bei ihrer Geburt, als Ihr Bruder Felix drei Jahre alt war. Der Vater heiratete ein Jahr später die Schwester der Mutter, Laura Kohn; 1896 wurde ihr Halbbruder Robert geboren.

Vom dichtenden Großvater Moritz Ghon beeindruckt, schrieb ihr Bruder Felix Braun schon mit 14 Jahren sein erstes Theaterstück "Die Kastellianerin", was sicher auch Käthe in literarischer Hinsicht inspirierte. Die Geschwister verband zeitlebens eine starke seelische und geistige Beziehung.

Käthe Braun absolvierte eine Ausbildung an einer höheren Töchterschule und legte 1907 die Staatsprüfung in Stenografie ab. Sie nahm eine Tätigkeit als Privatlehrerin an und war ab 1907 als Beamtin in der Creditanstalt in Wien tätig. Zu dieser Zeit hatte sie schon viele Gedichte und Aphorismen verfasst, aber kaum etwas veröffentlicht.


Käthe Braun-Prager konvertierte zum evangelischen, später zum katholischen Glauben. Sie lernte den Schriftsteller und Philosophen Hans Prager kennen, heiratete ihn 1917 und trat in diesem Jahr auch aus der Creditanstalt freiwillig aus. Drei Jahre später wurde ihre Tochter geboren.

Käthe Braun-Prager war ab 1920 als freie Schriftstellerin tätig und lebte stark gesellschaftsbezogen - in ihrer Wohnung gingen viele bekannte Künstler ein und aus. Obwohl sie zum Lebensunterhalt der Familie beitragen musste, konnte sie zahlreiche Gedichte, Erzählungen und Aphorismen verfassen. Ihren ersten Gedichtband veröffentlichte sie 1929; sie gab auch die Werke Rosa Mayreders heraus, mit der sie befreundet war.

Käthe Braun-Prager begründete 1928 die wöchentliche Sendung "Literarische Frauenstunde" bei der RAVAG, wo sie Dichterinnen präsentierte oder Vorträge über Frauenfragen hielt. (Sie leitete die Sendung bis 1938.)

Von 1930 bis 1938 veranstaltete Literaturkurse und -abende (die "Literarischen Vortragsabende" im Hotel de France in Wien) und hielt Vorträge in den Sendern Breslau, Berlin und anderen. In den folgenden Jahren benutzte sie - u.a. für die Veröffentlichung ihrer Essays - auch das Pseudonym Anna Maria Brandt.

Ihr Bruder Felix und ihr Halbbruder Robert Braun waren zu dieser Zeit bereits angesehene Schriftsteller, auch ihr Mann Hans Prager arbeitete an seinen Werken über Shakespeare und Dostojewski.

Im Februar 1939 emigrierte Käthe Braun-Prager zusammen mit ihrer (Stief-)Mutter nach England, wo sie dann auf den Bruder Felix trafen. Ihr Mann Hans Prager und Tochter Ulrike lebten zu der Zeit schon in der Emigration in Paris. In England lebte sie zu Beginn in Finsthwaite im Norden Englands, danach in Kendal, später in London.

(Ihr Mann Hans Prager starb, geschwächt durch Aufenthalte in mehreren Internierungslagern in Frankreich, im Jahre 1940. )


In der Emigration - sie war bereits über 50 Jahre alt - begann Käthe Braun-Prager zu malen. Zu dieser Zeit hielt sie Vorträge (ihre Kursvorträge über die großen Komponisten Österreichs wurden von der BBC übernommen), betätigte sich als Kunstgewerblerin, schrieb Erzählungen und Gedichte, verfasste Aphorismen und arbeitete als Übersetzerin.

1951 kehrte sie mit ihrem Bruder Felix und der Stiefmutter nach Wien zurück und widmete sich seither der Tätigkeit als Schriftstellerin, Malerin und Übersetzerin. Sie stellte ihre Bilder im Rahmen von Kollektivausstellungen in Wien, Salzburg und Agram vor; einige der Bilder wurden vom österreichischen Bundesministerium für Unterricht sowie von der Österreichischen Galerie in Wien erworben.


Käthe Braun-Prager hinterließ ein umfangreiches literarisches Werk (Lyrik, Essays, Aphorismen, Prosa), schrieb in zahlreichen in- und ausländischen Zeitschriften und Zeitungen und sie betätigte sich auch als Übersetzerin und Herausgeberin (u.a der Werke von Rosa Mayreder).

In Käthe Braun-Pragers Erzählungen nimmt die Mütterlichkeit, beziehungsweise die Mutter, in den unterschiedlichsten Variationen eine zentrale Rolle ein. Die Erzählungen handeln oft von der typischen, schlichten Frau um 1900, die sich nach Geborgenheit einerseits, aber auch nach Freiheit und Unabhängigkeit sehnt; oder von der Frau - wie in der Erzählung "Bauernhochzeit" - die, statt sich dem ungeliebten Mann hinzugeben, lieber sterben will.

Käthe Braun-Prager beschreibt Beziehungen, deren Problematik die inneren Zerrissenheiten sind, in denen sich Unreales mit der Realität vermengt. Durch ihre Novellen zieht sich ein roter Faden von mystischer Faszination, Melancholie und Ironie. Liebe, Hass und Todessehnsucht bestimmen die Grundthemen ihrer Werke.

Käthe Braun-Prager starb am 18. Juni 1967 in einem Krankenhaus und wurde am Ehrenhain auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Marianne Hainisch-Preis, 1938
  • Preis des Dr.-Theodor-Körner-Stiftungsfonds für Literatur, 1957
  • Preis der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien, 1958
  • Ehrentitel Professor, 1966

Mitgliedschaften#

  • Ehrenmitglied des Lyzeumklubs
  • Vorstandsmitglied des Vereins der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen Österreichs
  • Mitglied des Wiener Frauenclubs
  • Mitglied des österreichischen und englischen P.E.N.-Clubs
  • Mitglied des Österreichischen Schriftstellerverbandes
  • Mitglied der Geistig Schaffenden Österreichs
  • Mitglied der Grillparzer-Gesellschaft

Werke (Auswahl)#

Lyrik

  • Bei der Kerze, 1929
  • Verfrühter Herbst, 1932
  • Stern im Schnee, 1949
  • Verwandelte Welt, 1956
  • Die Mondwolke, 1963
  • Schattenflamme - Lyrische Visionen von Käthe Braun-Prager
    (hrsg. und mit einem Nachwort von T. Popovic, Verlag Books on Demand), November 2015

Novellen, Aphorismen, Essays

  • Große Frauen der Heimat, 1936
  • Ahnung und Einblick (Aphorismen), 1937
  • Reise in die Nähe (Aus einem englischen Tagebuch), 1954
  • Verwandelte Welt (Gedichte, Bilder und Gleichnisse), 1956
  • Heimkehr (Novellen), 1958
  • Das himmlische Kartenhaus (Gedichte, Prosa und Gedanken), 1968
  • Heimat in der Fremde (Erlebnisse und Erzählungen aus England), 1968
  • Ruhe in der Ferne (Dichtungen in Prosa), 1972

Dramen

  • Anna Mayer (Uraufführung 8.12.1927, Sprungbrett Wien)
  • Renate
  • Der Krüppel (Ein ländliches Theaterstück)

Anthologien

  • Liebe "Das Maß der Liebe ist Lieben ohne Maß" (Hg. Käthe Braun-Prager), 1953
  • Das Buch der Mütter (Vorbilder tätiger Liebe) (Hg. Käthe Braun-Prager und Felix Braun), 1955

Verschiedenes

  • Das Haus in der Landskrongasse. Jugenderinnerungen von Rosa Mayreder, (Hg. K. Braun-Prager), 1948
  • Eleanor Graham, Charles Dickens. Eine Lebensgeschichte für junge Menschen (Übersetzung aus dem Englischen von Käthe Braun-Prager), 1953
  • Krise der Väterlichkeit (Auszüge aus Schriften von Rosa Mayreder, ausgewählt und eingeleitet von Käthe Braun-Prager), 1963
  • Der Aufstieg der Frau (Festschrift zu Rosa Mayreders 70. Geburtstag, hg. K. Braun-Prager), 1928
  • Und senden ihr Lied aus. Lyrik österreichischer Dichterinnen vom 12. Jahrhundert bis zur Gegenwart (Mitarbeit von K. Braun-Prager), 1963
  • Die Büronovelle (aus Heimkehr) Hörspiel (bearbeitet von Ernst Scheiblreiter)
  • Der Knabe mit der Rose, Novelle (1962 als Tanzspiel aufgeführt)
  • Die Stadt der Ewigen und andere Novellen, (Hg. v. T. Popovic´), Alekto 2000

Literatur#

  • R. Schmidt: Österreichisches Künstlerlexikon. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, 1974-1980
  • W. Röder, He.A. Strauss, Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 (Hg. vom Institut für Zeitgeschichte München und von der Research Foundation for Jewish Immigration), 1980-1999
  • S. Bolbecher und K. Kaiser (Hg.), Lexikon der österreichischen Exilliteratur, 2000

Hörproben #

Österreichische Mediathek Hörprobe

Käthe Braun-Prager liest aus ihren Gedichten
(Wiener Stadtbibliothek)

Vorlesen

Quellen#

Redaktion: P. Diem, I. Schinnerl