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Buchta, Richard#

* 19. 1. 1845, Radlow (Galizien)

† 29. 7. 1894, Wien


Forschungsreisender, Maler und Fotograf


Richard Buchta
Richard Buchta.
© Öst. Nationalbibliothek, Wien

Bereits mit 20 Jahren begann Buchta ausgedehnte Reisen durch Deutschland, Frankreich, Ungarn, die unteren Donauländer, den Balkan, die Türkei und Kleinasien. Unter anderem hielt er sich ein Jahr in Konstantinopel und drei Jahre in Kairo auf.

Von dort aus bereiste er die Gegend von Khartum und kam mit der Hilfe des Generalgouverneurs Gordon Pascha nach Ladó am oberen Nil. 1878 bis 1880 verfolgte er den Weißen Nil bis Uganda und lernte als einer der ersten Europäer das östliche Niamgebiet kennen.

Mit seinen Fotografien brachte er die ersten naturgetreuen Abbildungen aus Afrika nach Europa.

Leseprobe:#

aus

Der Sudan unter ägyptischer Herrschaft

"Was aber die Sudanbewohner, ganz besonders die, vor dem freien Beduinen, gegen die "türkische" Herrschaft der Ägypter erbitterte, war die Art und Weise des Steuereintreibens. Die wichtigste Steuer, die diese Nomadenstämme zu leisten hatten, war die Kopfsteuer. Die Beduinen ebenso wenig wie der Fellache zahlten dieselbe freiwillig.

Titelblatt des Hauptwerks von R. Buchta
Titelblatt des Hauptwerks von R. Buchta
© Archiv Senft
Um die Steuer einzuheben, wurden irreguläre Truppen gehalten, und diese Baschi-Bosuks raubten unter dem Titel einer Steuereinhebung die armen Beduinen in unverschämtester Weise aus. Es gab Fälle, in denen ein solcher Baschi-Bosuk mit seinem geringen Gehalt von 2-3 Pfd. St. monatlich sich ein Dutzend Pferde, Diener und eine Menge Weiber auf Kosten der Bevölkerung hielt. Die Baschi-Bosuks erzwangen eine luxuriöse Verpflegung, schalteten und walteten im Dorfe und im Lager mit allem, auch mit den Weibern und Töchtern der Sudanesen, wie mit ihrem Eigentum. Der Steuerverweigerer wurde an den Daumen aufgehängt oder an Händen und Füßen gebunden, nackt in der Mittagsstunde in den von der Sonne durchglühten Sand eines trockenen Flussbettes gelegt. Die ganze Last der Steuer lag auf der ärmeren Masse des Volkes, da die Häuptlinge sich und ihre Familien steuerfrei machten und die Summe des von dem ganzen Stamme zu zahlenden Tributs auf die Untergebenen verteilten. Hierzu kam seit der Zeit als europäischer Einfluss in Kairo dem Sklavenhandel im Sudan Schwierigkeiten in den Weg legte und die Bewertung der Sklaven eine schwierigere und gefahrvolle wurde, für volkreiche Stämme die Notwendigkeit, die Steuer durch den Verkauf ihrer Herden aufzubringen, da der bisherige Modus unmöglich wurde. Dieser bei den meisten der Baqarastämme, den kopf- und herdereichen Beduinen zwischen dem Weißen Nil, Kordofan und Dar-For übliche Modus bestand darin, dass die Geldsumme der zu zahlenden Steuer von den Kordofankaufleuten gegen Lieferung von einer bestimmten Anzahl von Sklaven, zu welcher sich die Beduinen verpflichteten, gezahlt wurde. Die Baqara, eingefleischte Sklavenjäger, holten aus den südlichen Ländern, aus den Nubabergen, die Sklaven. Konnten sie die vereinbarte Anzahl nicht zusammenrauben, so gaben sie Vieh für eine beim Abschluss des ganzen Handels vereinbarte Kaufsumme an Zahlungs Statt. Wenn aber der Stamm die HandeIsbedingungen nicht erfüllen konnte, verweigerten natürlich die Djelabas die Auszahlung an die Regierung diese schickte ihre Baschi-Bosuks aus, und der durch diese Räuber ausgeplünderte Stamm verarmte nicht nur infolge dieser Prozedur, sondern wurde auch von Jahr zu Jahr feindseliger..."

Werke (Auswahl)#

  • Die oberen Nilländer, 1881
  • Der Sudan unter ägyptischer Herrschaft, 1888 (Hg.)


Übersichtskarte von Ägypten und dem Ägyptischen Sudan
Übersichtskarte von Ägypten und dem Ägyptischen Sudan
© Archiv Senft
Pflanzenwelt im Sudan
Sudan: Die Pflanzenwelt passt sich der Trockenheit an
© Foto Senft
Grasgedeckte Rundhütten
Grasgedeckte Rundhütten als Schutz gegen die Hitze
© Foto Senft

Literatur#

  • Österreichisches Biographisches Lexikon

Quellen#

  • AEIOU
  • H.& W. Senft, "Aufbruch ins Unbekannte", Stocker Verlags, Graz, 1999



Redaktion: Hilde und Willi Senft